Lexikon

Zertifikate

1. Grundsätzliches Zertifikate sind Schuldverschreibungen bei denen die Wertentwicklung von der Wertentwicklung anderer Finanzprodukte abhängt, womit diese also zu den strukturierten Finanzprodukten zählen. Zertifikate sind also Schuldverschreibungen mit einer derivaten Komponente, die von Banken emittiert und überwiegend an Privatkunden verkauft werden, sodass auch diese die Möglichkeit haben sich an komplexen Anlagestrategien verschiedener Anlageklassen zu beteiligen. Banken nutzen diese Finanzprodukte als eine Form der Refinanzierung. Im Unterschied zu gewöhnlichen Schuldverschreibungen gewähren diese keine feste Verzinsung, sondern die Teilhabe am Erfolg oder Misserfolg eines Börsengeschäfts. Somit sind die Ertrags- und Verlustchancen nicht festgelegt. In Deutschland werden Zertifikate an den Börsen Stuttgart (EUWAX), Frankfurt (Scoach), Düsseldorf und Berlin gehandelt, wobei der Handel jedoch vorwiegend außerbörslich stattfindet. Erträge aus Zertifikaten sind in Deutschland steuerpflichtig; wenn diese nach dem 1.Januar 2009 gekauft wurden, unterliegen sie der Abgeltungsteuer von 25 %.

2. Arten

Zertifikate können in zwei Gruppen eingeteilt werden: Partizipationszertifikate und Zertifikate mit definiertem Rückzahlungsprofil. Bei der erstgenannten Gruppe investiert der Anleger in Basiswerte aller Art, ohne den Basiswert selbst an der Börse kaufen zu müssen. Die Wertentwicklung hängt demnach vom Wert des Basiswerts ab. Anders ist dies bei Zertifikaten mit definiertem Rückzahlungsprofil, da dieses bei Fälligkeit einen von vorab festgelegten Bedingungen abhängigen Wert annimmt.

Die wichtigsten Klassen von Partizipationszertifikaten sind Index-, Basket- und Tracker-Zertifikate etc. Index-Zertifikate haben hierbei als Basiswert einen Aktien-, Wertpapier- oder Rohstoff-Index, wobei diese die Entwicklung des zugrunde liegenden Index eins zu eins abbilden. Basket-Zertifikate bilden einen Korb von Aktien oder anderen Anlageprodukten ab und stellen sich somit als Abwandlung zu den Index-Zertifikaten dar. Tracker-Zertifikate wiederum bilden die Kursentwicklung eines Basiswerts ab, wobei aber keine Dividenden ausbezahlt werden, sondern diese diskontiert werden und damit bereits vorab im Kurswert berücksichtigt werden.

Bei den Zertifikaten mit definiertem Rückzahlungsprofil sind besonders hervorzuheben die Discount- und Bonus-Zertifikate, Optionsscheine und Aktienanleihen. Bei den Discount-Zertifikaten steht die Risikobegrenzung im Vergleich zum direkten Kauf des Basiswerts im Vordergrund, sodass im Gegenzug aber auch die erzielbare Rendite mit einem produktspezifischen Höchstwert (Cap) gedeckelt ist. Bei Bonus-Zertifikaten sind zwei Parameter entscheidend: die Barriere oder Sicherheitslevel genannt und das Bonuslevel, wobei die Bonus-Zertifikate dann abhängig von der Größe dieser Parameter und ihrer Kombination verschiedene Anlagemöglichkeiten realisieren können. Optionsscheine sind verbriefte Optionen, die dem Anleger das Recht garantieren, nach einem bestimmten Bezugsverhältnis einen bestimmten Basiswert zu einem vorher festgelegten Basispreis innerhalb einer festgelegten Bezugsfrist zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option). Bei Aktienanleihen schließlich hat der Emittent am Ende der Laufzeit das Recht, entweder den Nominalbetrag zu 100 % an den Anleger zurückzubezahlen oder eine bestimmte Anzahl an vorher festgelegten Aktien zu liefern.

3. Risiken

Die Rechtsnatur als Schuldverschreibung birgt das Risiko, dass bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals eintritt (Emittentenrisiko). Auch wenn die meisten Zertifikate von finanziell soliden Banken ausgegeben werden, wodurch das Risiko des Totalverlustes relativ gering ist, bedeutet dies nicht, dass dieses Risiko völlig unbeachtlich wäre, wie man an der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers im September 2008 gesehen hat. Im Gegensatz zu in Fonds angelegten Gelder, welche wegen ihres rechtlichen Status als Sondervermögen bei der Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt sind und im Gegensatz zu Spareinlagen, wo die Einleger durch den Einlagensicherungsfonds weitreichenden Schutz vor der Insolvenz der Bank genießen, gibt es diesen Schutz bei Zertifikaten nicht. Auch aus diesem Grund sollte das Risiko eines Totalverlusts des investierten Kapitals nicht völlig unter den Tisch gekehrt werden.

Zudem entstehen, wie bei allen Anlageprodukten auch, Kosten, die meist vom Anleger getragen werden. Allerdings gibt es auch hier einen Unterschied zu anderen Anlageprodukten, da sich die Höhe der Kosten dem Anleger nicht unmittelbar erschließt, wie z.B. bei Investmentfonds wo den Emittenten ein Pflicht zum Ausweis voraussichtlich entstehender oder tatsächlich angefallener Kosten trifft.

Weiterhin unterliegen viele Zertifikate einem Kursänderungsrisiko, da sie sich auf Basiswerte beziehen, die in ihren Kursen schwanken können. Ändert sich der Preis des Basiswerts, dann ändert sich auch der Preis des Zertifikats. Dadurch, dass man das Kapital bei einer Anlage in ein Zertifikat in der Regel für einen bestimmten Zeitraum bindet, kann innerhalb des Anlagezeitraums nicht über dieses Geld verfügt werden. Sollte der Anleger schnell Geld benötigen, so kann das Zertifikat nicht einfach zu schnell verfügbarem Geld gemacht werden. Ist es noch ein weites Stück bis zum Ende der Laufzeit, so kann dieses nur auf dem Zweitmarkt verkauft werden, wobei aber gegebenenfalls Abschläge in Kauf genommen werden müssen.

Weiterhin bestehen noch Risiken wie das Währungsrisiko, falls das Zertifikat nicht auf Euro lautet, Wertverfallrisiken und einige mehr. Anleger sollten also bei einer Anlage in Zertifikate möglichst genau über die bestehenden Risiken aufgeklärt werden, sodass sie sich ein genaues Bild über diese Anlagemöglichkeit machen können.

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