Auch Daimler steckt im Dieselskandal Abgasskandal bei Mercedes – So kommen Sie zu Ihrem Recht

Seit 2015 wird hauptsächlich der Volkswagenkonzern mit dem Abgasskandal in Verbindung gebracht. Allerdings wird auch Konzernen wie Daimler vorgeworfen, die Motoren seiner Fahrzeuge mit illegalen Abschaltvorrichtungen ausgestattet zu haben. Was im März 2017 mit Ermittlungen gegen den Automobilhersteller aus Stuttgart begann, gipfelte in den USA (September 2020) mit einem 2 Milliarden-Dollar-Vergleich, auf den sich Daimler, die Behörden und die Verbraucher geeinigt haben. Der Konzern betont, dass die Einigung kein Schuldeingeständnis sei und weist die Vorwürfe, manipulierte Motoren in seinen Fahrzeugen verbaut zu haben, weiter zurück. Eine übliche Taktik, um nicht noch tiefer in den Sumpf zu sinken und höchst unglaubwürdig.

Dennoch erhöht die außergerichtliche Einigung in den USA den Druck auf Daimler in Deutschland. Denn auch hierzulande ist die Daimler Premium-Marke Mercedes Benz vom Dieselskandal betroffen. Im Mai 2018 wurde das Modell Mercedes Vito offiziell vom Kraftfahrt Bundesamt (KBA) zurückgerufen, woraufhin das Modell GLK 220 CDI folgte. Mercedes soll ein sogenanntes Thermofenster in die betroffenen Motoren eingebaut haben, um die Abgasreinigung zu manipulieren.

Inhaltsverzeichnis
Vom Abgasskandal betroffener Mercedes Vito
Der Mercedes Vito: Das erste Modell, welches vom Kraftfahrt Bundesamt zurückgerufen wurde.
Mercedes Vito: das erste Fahrzeug bei Daimler, welches im Mai 2018 vom Kraftfahrt Bundesamt offiziell zurückgerufen wurde

So funktioniert die Abgasmanipulation bei Daimler

Wie seinem Skandalvorgänger VW, wird Daimler vorgeworfen, die Mercedes-Benz-Motoren mit unzulässigen Abschaltvorrichtungen versehen zu haben. Welche das sind, wie der Konzern darauf reagiert und welche Konsequenzen der Vorwurf für Mercedes und seine Fahrer hat, können Sie in den nachfolgenden Abschnitten nachlesen.

Auf diese Weise soll Mercedes manipuliert haben

Mit den folgenden Abschaltvorrichtungen soll Mercedes diverse Motoren ausgestattet haben:

  • Thermofenster: Die Motortypen OM 651 und OM642, die in Mercedes-Benz-Modellen verbaut sind, verfügen über ein sogenanntes Thermofenster. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat mit Urteil vom 17. Dezember 2020 Abschalteinrichtungen generell für illegal erklärt. Das gilt auch für temperaturabhängige Abgasmanipulationen.  Das Thermofenster reguliert die Abgasreinigung abhängig von der Außentemperatur – beispielsweise zwischen 15 und 30 Grad. Bei Temperaturen außerhalb dieses Fensters wird die Abgasreinigung gedrosselt oder ausgeschaltet und damit erhöhen sich die Abgaswerte. Die Daimler-Tochter Mercedes Benz weist die Vorwürfe mit der Begründung zurück, das Thermofenster würde dem Motorschutz dienen. Dem Argument Motorschutz hat der EuGH ganz enge Grenzen gesetzt.
  • Bit 15: Zudem soll Mercedes eine Motorsteuerungsfunktion verwendet haben, die die Aufbereitung der Abgase lediglich für 26 Kilometer gewährleistet. Danach verlässt die sogenannte Bit 15-Funktion den sauberen Modus und das Fahrzeug stößt erhöhte Stickoxidwerte aus.
  • Slipguard: Auch soll die Software-Funktion Slipguard in Motoren von Mercedes Benz zum Einsatz gekommen sein. Die Software erkennt, wenn sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet und verfälscht die Abgaswerte zugunsten der festgelegten Norm-Regelungen. Im Straßenverkehr sind die Stickoxid-Werte um ein Vielfaches höher.

So reagiert Daimler auf die Vorwürfe  

Nachdem im Jahr 2017 auch die Vorwürfe gegen Daimler laut werden, vom Abgasskandal betroffen zu sein, einigt sich der Konzern mit dem KBA auf freiwillige Service-Maßnahmen, bei denen europaweit rund drei Millionen Fahrzeuge mit einem Software-Update nachgerüstet werden sollen. Dieses Update existiert zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht. Im Juni 2018 kommt es zu einem Zwangsrückruf von Mercedes-Modellen, die mit dem Motor-Typ OM651 (Mercedes Vito) ausgestattet sind und der Euro 6-Norm entsprechen. In den Folgemonaten werden weitere Mercedes-Fahrzeuge vom KBA zurückgerufen, darunter Fahrzeuge mit dem Motor OM6 642 (GLK 220 CDI ) und einer Euro 5-Norm-Zertifizierung. Daimler droht an, sich rechtlich gegen die Zwangsrückrufe zu wehren, von denen nur Modelle eines bestimmten Bauzeitraumes betroffen sind. Weitere Schlagzeilen, die darauf verweisen, dass der Konzern keine Einsicht zeigt, machte er im Oktober 2019. Mit einer Gutschein-Aktion, an der sich Mercedes-Fahrer, deren Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 5 und 6b angehören, beteiligen konnten, warb der Konzern für das Software-Update und verloste 100-Euro-Gutscheine, die in seinen Vertragswerkstätten eingelöst werden konnten.

Das sind die Folgen für Mercedes

Der Ruf zahlreicher Automobilhersteller ist im Zuge des Abgasskandals geschädigt worden. Damit einhergehend: ein immenser Nachfrage-Rückgang und zusätzliche Verluste in Milliardenhöhe. Eine Erholung für den Konzern ist aufgrund von künftig folgenden Fahrverboten und neuen Manipulationsenthüllungen nicht in Sicht. Die Folgen für den Automobilhersteller sind zwar kostenintensiv, allerdings stehen sie in keiner Relation zu den Schäden, die betroffenen Mercedes-Fahrern entstanden sind.

Der Mercedes-Besitzer trägt die Konsequenzen

Sie als Mercedes-Fahrer trifft der Dieselskandal am härtesten! Neben Fahrverboten in zahlreichen deutschen Städten kommen Wertverluste und eine drohende Stilllegung Ihres Fahrzeugs auf Sie zu, wenn Sie verpflichtenden Rückrufforderungen nicht nachkommen. Bislang tragen also Sie die Konsequenzen für das Verschulden des Daimler-Konzerns.

Leider ist das Software-Update, das auch Ihrerseits Zeit und Aufwand erfordert, wenig lösungsversprechend. Zahlreiche geschädigte Mercedes-Fahrer, die das Update haben aufspielen lassen, beklagen sich über erhöhte BetriebskostenLeistungsverluste durch ein verändertes Motorverhalten und eine verpflichtende Bindung an Vertragswerkstätten. Zudem garantiert das Software-Update Ihnen nicht, dass Sie auch künftig von Fahrverboten verschont bleiben.

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Diese Mercedes-Modelle und Motoren sind vom Abgasskandal betroffen

Auf der Mercedes-Website können Sie mithilfe Ihrer Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) prüfen, ob Sie von dem Dieselskandal betroffen sind.

Im Folgenden haben wir für Sie eine Übersicht aller betroffenen Fahrzeuge erstellt, die von dem offiziellen Rückruf betroffen sind. Bitte beachten Sie, dass nur Modelle dem Skandal betroffen sind, die in bestimmten Produktionszeiträumen gefertigt worden sind.

Handelsbezeichnung Hubraum in ccm Leistung in kW Motorkennbuchstabe EU Emissionsstufe Zertifizierung N oder M Produktionszeitraum
C 180 BlueTEC, C 180d, C 200 BlueTEC, C 200d 1598 85 100 OM 626 Euro 6b (W) M 08/14 - inkl. 05/18
G 350 d 2987 180 OM 642 Euro 6b (W) M 09/15 - inkl. 12/15
S 300 BlueTEC Hybrid, S 300 h 2143 150 OM 651 Euro 6b (T od. W) M 12/13 - inkl. 09/16
E 350 BlueTEC, E 350 d (Coupé/Cabrio) 2987 185 OM 642 Euro 6b (T od. W) M 02/13 - inkl. 12/16
ML 250 BlueTEC 4MATIC 2143 150 OM 651 Euro 6b (T od. W) M 08/11 - inkl. 06/15
Vito, Vito Tourer 2143 140 120 OM 651 Euro 6b (W) M 09/14 - inkl. 05/18
Vito, Vito Tourer 2143 140 120 OM 651 Euro 6b (Y) N 09/14 - inkl. 09/16
ML 350 BlueTEC 4MATIC, GL 350 BlueTEC 4MATIC 2987 190 OM 642 Euro 6b (Q, T od. W) M 06/12 - inkl. 05/15
GLE 350d 4MATIC, GLS 350d 4MATIC 2987 190 OM 642 Euro 6b (W) M 07/15 - inkl. 11/17
GLE 250 d 2143 150 OM 651 Euro 6b (W) M 07/15 - inkl. 05/18
GLE250 d 4MATIC 2143 150 OM 651 Euro 6b (W) M 07/15 - inkl. 05/18
SLK 250 d, SLC 250 d 2143 150 OM 651 Euro 6b (W) M 06/15 - inkl. 08/17
GLK 220 BlueTEC 4MATIC, GLK 250 BlueTEC 4MATIC 2143 125 120 150 OM 651 Euro 6b (T) M 06/12 - inkl. 05/15
C 300 BlueTEC Hybrid, C 300 h 2143 150 OM 651 Euro 6b (T od. W) M 06/14 - inkl. 09/16
E 300 BlueTEC, E 350 BlueTEC, E 350 BlueTEC 4MATIC 2987 170 185 190 OM 642 Euro 6b (T od. W) M 03/13 - inkl. 05/16
E 350 d, E 350 d 4MATIC 2987 190 OM 642 Euro 6b (W) M 03/16 - inkl. 05/17
CLS 350 BlueTEC, CLS 350 d, CLS 350 BlueTEC 4MATIC, CLS 350 d 4MATIC 2987 185 190 OM 642 Euro 6b (T od. W) M 03/13 - inkl. 01/17
S 350 BlueTEC, S 350 d, S 350 BlueTEC 4MATIC, S 350 d 4MATIC 2987 190 OM 642 Euro 6b (T od. W) M 07/13 - inkl. 01/17
GLC 220 d 4MATIC, GLC 250 d 4MATIC 2143 152 120 150 OM 651 Euro 6b (W) M 06/15 - inkl. 11/16
V- Klasse 2143 140 100 120 OM 651 Euro 6b (W) M 03/14 - inkl. 05/18
Sprinter 2143 95 105 120 OM 651 Euro 6b (W) M 07/15 - inkl. 08/18
Vito 1598 65 84 OM 622 Euro 6b (W) M 06/15 - inkl. 07/18
Vito 1598 65 85 OM 622 Euro 6b (Y) N 06/16 - inkl. 09/18
Abgasskandal

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Was können Geschädigte gegen die Praktiken von Mercedes unternehmen?

Wann die Ansprüche gegen Daimler verjähren ist individuell, je nach Modell und Kaufzeitpunkt. Wir raten Ihnen daher, bereits jetzt aktiv zu werden und eine anwaltliche Beratung in Anspruch zu nehmen und ggf. gegen Mercedes vorzugehen. Nach dem Vergleich in den USA stehen Ihre Chancen auf eine erfolgreiche Klage sehr gut. Im Folgenden haben wir für Sie eine Übersicht Ihrer Optionen zusammengestellt. In jedem Fall gilt: Versuchen Sie, das Software-Update zu vermeiden. Im Falle einer Betroffenheit müssen Sie allerdings rechtzeitig gegen den Hersteller vorgehen, da Sie einer verbindlichen Rückrufaktion nachkommen müssen, um eine Stilllegung Ihres Fahrzeugs zu vermeiden. Haben Sie im Zuge der Rückrufaktionen bereits ein Software-Update vornehmen lassen, können Sie natürlich dennoch erfolgreich klagen.

Fordern Sie Schadensersatz

In einer Individualklage können Sie Schadensersatz fordern. Sie haben die Möglichkeit, Ihr betroffenes Fahrzeug in einer Klage auf Neulieferung gegen ein sauberes einzutauschen oder Ihren Mercedes zu behalten und einen Teil des Kaufpreises zu fordern. Vergangene Verfahren haben gezeigt, dass der Minderwert bis zu 25% des Kaufpreises betragen kann. Weitere Ihnen entstandene Schäden, wie Steuernachforderungen, können Sie ebenfalls zum Gegenstand einer Schadensersatzforderung machen.

Treten Sie von dem Kaufvertrag zurück 

Da das Fahrzeug einen Sachmangel im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) aufweist, haben Sie auch die Möglichkeit, von dem Kaufvertrag zurückzutreten. Ihr Fahrzeug können Sie nach einer erfolgreichen Klage zurückgeben und den Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung erstattet bekommen.

Ihre Rechtschutzversicherung trägt die Kosten 

Sofern Sie eine Rechtschutzversicherung abgeschlossen haben, übernimmt diese die Kosten, die bei einer Klage gegen Mercedes entstehen. Sie zahlen lediglich die vereinbarte Selbstbeteiligung. Wir übernehmen auf Wunsch gerne die Korrespondenz mit Ihrem Rechtsschutz.

  • Handelsblatt zum Abgasskandal

    "Daimler geht im Dieselskandal auf Kläger zu. Der schwäbische Autobauer bietet Klägern neuerdings Vergleiche an. Ein Beschluss des Bundesgerichtshofs verbessert die Position der Betroffenen deutlich. Zeichnet sich eine Niederlage vor Gericht ab, kommen immer häufiger Vergleichsangebote."


    15. April 2020
    Handelsblatt

  • Stuttgarter Zeitung zum Abgasskandal

    "Der Dieselrichter bekommt keine Dieselfälle mehr. Der für die Autoindustrie lästige Richter Reuschle soll nach Ansicht der Kanzlei Dr. Stoll & Sauer „endgültig entsorgt“ werden."


    24. November 2020
    Stuttgarter Zeitung

  • Stuttgarter Nachrichten zum Abgasskandal

    "Angstgegner? Nervensäge? Wie werden sie ihn in der Chefetage von Volkswagen in Wolfsburg wohl nennen? „Ich weiß es nicht“, sagt Ralph Sauer und lehnt sich freundlich lächelnd zurück. Denn der Rechtsanwalt aus Lahr im Ortenaukreis ist zwar ein beinharter Jurist, aber ein freundlicher Mann, ein Profi auf jeden Fall."


    12. März 2019
    Stuttgarter Nachrichten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Dieselskandal bei Mercedes

Wir haben Ihnen eine Liste aller Mercedes-Modelle zusammengestellt, die bislang von der Rückrufaktion betroffen sind. Da wir uns dabei auf die offiziellen Angaben von Mercedes beziehen, lohnt sich auch eine unabhängige Betroffenheitsüberprüfung, sollte Ihr Fahrzeug nicht auf der Liste vermerkt sein.

Zahlreiche Mercedes-Modelle verfügen über einen manipulierten Motor, der mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung versehen ist. Diese verfälscht die Abgaswerte bei der Abgasuntersuchung. Im Realbetrieb stößt das Fahrzeugt jedoch Stickoxidwerte aus, die nicht zugelassen sind.

Sie haben die Möglichkeit, rechtlich gegen den Hersteller vorzugehen, Schadensersatz zu fordern oder Ihr Auto zurückgeben, in dem Sie vom Kaufvertrag zurücktreten. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie das Software-Update haben vornehmen lassen oder nicht. Prüfen Sie Ihren individuellen Klageweg.

Mercedes hat sich in den USA auf einen 2 Milliarden-Vergleich geeinigt, um eine Konfrontation vor Gericht zu umgehen Als erstes Oberlandesgericht hat Naumburg am 18. September 2020 die Daimler AG wegen vorsätzlicher und sittenwidriger Schädigung nach § 826 BGB verurteilt. Das ist im Abgasskandal von Mercedes ein Meilenstein. Ihre Chancen stehen sehr gut, vor Gericht einen Erfolg gegen Mercedes zu erzielen. Auch unsere Kanzlei hat am Oberlandesgericht Köln am 5. November  2020 (Az. 7 U 35/20) ein verbraucherfreundliches Urteil erstritten. Dabei ging das Gericht von mehreren unterschiedlichen Abschalteinrichtungen aus. Der Bundesgerichtshof hat sich am 28. Januar 2020 (Az. VIII ZR 57/19) erstmals zu Daimler geäußert und ein Urteil zurück an die zweite Instanz in Köln geschickt. Das Oberlandesgericht muss jetzt genau prüfen, ob Daimler gegenüber dem Kraftfahrt-Bundesamt das Thermofenster verschwiegen hat. Unsere Kanzlei wertet das Urteil als Meilenstein in der Rechtsprechung gegen Daimler.