Abgasskandal
Welche Autos sind vom Dieselskandal betroffen
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Rechtsanwalt
Ralph Sauer
"Was mich neben dem Verbraucherschutz umtreibt, ist der Zustand der Umwelt. Alle sprechen über Klimaschutz, und große Konferenzen werden abgehalten. Aber unsere Politik lässt es zu, dass die größten Dreckschleudern auf deutschen Straßen unterwegs sind. Und wie bei den Hybriden gibt es eine steuerliche Förderung. Das ist völlig absurd."
Dieselskandal holt Hyundai und Kia ein
Der Abgasskandal ist bereits seit 2015 im Gange, dennoch holt einer der größten Betrugsfälle der Wirtschaftsgeschichte auch fast acht Jahre nach seinem Beginn immer noch Konzerne ein – nun auch die Hyundai und Kia. Die südkoreanischen Automobilhersteller stehen zwar schon länger unter Betrugsverdacht. In ihren Deutschlandzentralen rückte nun aber tatsächlich die Ermittler an und durchsuchten Büros. Es sollen Hunderttausende Autos manipuliert und bis 2020 zugelassen worden sein.
Auch Fiat reiht sich in den Abgasskandal ein
Seit Ende 2020 ist Fiat in den Fokus der Ermittlungen gerückt. In Deutschland wurden etwa 200.000 manipulierte Dieselfahrzeuge aus dem Fiat-Imperium zugelassen. Die betroffenen Modelle gehören sowohl zur Marke Fiat als auch zu den Tochterunternehmen. Demnach sind auch Alfa Romeo, Iveco und Jeep vom Dieselskandal betroffen. Wir gehen davon aus, dass in naher Zukunft auch weitere Fahrzeuge von amtlichen Rückruf-Aktionen betroffen sein werden.
Der VW-Konzern und seine Tochter-Marken
Der am häufigste verbaute Motor mit Manipulations-Software stammt aus dem Hause VW. Der Skandalmotor EA189 wurde millionenfach in Dieselfahrzeuge des VW-Konzerns eingebaut und gilt als Auslöser des Abgasskandals.
Jedoch begrenzt sich der Dieselskandal nicht ausschließlich auf Fahrzeuge der Eigenmarke VW, sondern zieht fortwährend seine Kreise: Vor allem der Nachfolgemotor EA288, mit dem der Dieselskandal in die zweite Runde ging, findet sich ebenso in den Modellen der Tochterunternehmen Audi, Seat und Skoda. Auch die hochpreisigen Modelle mit den leistungsstarken EA896, EA897 und EA898-Motoren wurden mit illegalen Abschalteinrichtungen versehen.
VW-Tochter Audi tief im Dieselskandal verwickelt
Der Ingolstädter verbaute vermehrt die gleichen Motoren in seine Fahrzeuge wie die Konzernmutter VW. Betroffen sind die Modelle mit den Dieselmotoren EA189 und EA288. Allerdings geht der Audi-Abgasskandal sogar darüber hinaus: Auch der von Audi selbst entwickelte Motor EA897 beinhaltet illegale Abschalteinrichtungen, die die Abgaswerte auf dem Prüfstand beschönigen.
SEAT – 700.000 manipulierte Fahrzeuge
Der Dieselskandal macht auch vor der spanischen VW-Tochter SEAT keinen Halt: Weltweit sind rund 700.000 SEAT-Modelle mit den manipulierten EA189- und EA288-Motoren ausgestattet. Somit sind nahezu alle Dieselfahrzeuge von SEAT mit den Hubraum-Varianten 1,2l, 1,6l und 2,0l vom Dieselskandal betroffen.
Skoda im Abgasskandal: weit laufende Rückrufe der manipulierten Fahrzeuge Skoda im Dieselskandal
Die tschechische VW-Tochter Skoda reagierte auf die Aufdeckung des Dieselskandals mit einem Rückruf von rund 1,2 Millionen Fahrzeugen, in denen sich die Motoren EA189 und EA288 fanden. Als zwischenzeitliche Lösung wurde ein Software-Update angeboten, dass die „Unzulässigkeiten“ beheben sollte. Allerdings führte das Update zu einem gesteigerten Verschleiß von Motorbauteilen und konnte den Schaden in keiner Form ausgleichen.
Porsche: nicht so umweltfreundlich wie beworben
Da Porsche die Motoren vom Schwesterunternehmen Audi in seine Luxuswagen verbaut, hat sich der Stuttgarter Autobauer die gleichen Probleme ins Haus geholt: Die betroffenen Fahrzeuge verfügen flächendeckend über illegale Abschalteinrichtungen und sind doch nicht so umweltfreundlich wie beworben. Dadurch haben die hochpreisigen Porsche-Modelle enorm an Wert verloren.
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Mercedes – Premiumhersteller manipuliert ebenfalls
Mehrere Mercedes-Benz-Modelle halten die gesetzlichen Grenzwerte nur auf dem Prüfstand ein. Das bedeutet: Auch Die Daimler AG und ihre Tochtergesellschaft Mercedes sind vom Dieselskandal betroffen. Allein in Deutschland verfügen etwa 550.000 Autos von Mercedes über illegale Abschalteinrichtungen. Dabei zeigte sich der Autobauer besonders kreativ und trickreich: Das KBA entdeckte insgesamt fünf illegale Abschalteinrichtungen in Diesel-Fahrzeugen.
Der Manipulationsverdacht im Abgasskandal rund um Mercedes betrifft die Dieselmotoren mit den Bezeichnungen OM607, OM622, OM626, OM640, OM642 und OM651. Diese wurden in diverse Modellreihen von Mercedes verbaut.
Abgasskandal: Auch BMW ist mit von der Partie
Der bayrische Autobauer stellt seit jeher qualitativ hochwertige Fahrzeuge der gehobenen Preisklasse her – darunter auch eine Vielzahl von Dieselfahrzeugen. Doch mit der Umstellung der Fahrzeuge auf die Euro 5- bzw. Euro 6-Norm begann die Fassade zu bröckeln: Auch die Autos der BMW AG sind vom Dieselskandal betroffen. Im Jahr 2017 ordnete das KBA eine große Rückrufaktion der BMW 5er- und 7er-Reihe aus den Baujahren 2012 bis 2017 an.
Illegale Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung
So täuschen die Autohersteller ihre Kunden
Zahlreiche Autobauer haben verschiedenste Abschalteinrichtungen entwickelt und in ihre Fahrzeuge verbaut. Jede einzelne Abschalteinrichtung erkennt, ob das Auto sich auf dem Prüfstand befindet und bewirkt, dass die Abgasreinigung dort gemäß der gesetzlichen Grenzwerte funktioniert. Im Straßenverkehr wird die Abgasreinigung automatisch abgeschaltet. Die Folge: überhöhte Schadstoffemissionen.
Abschalteinrichtungen sind unzulässig – so sehen es die Richter des Europäischen Gerichtshofs seit dem 17.12.2020. Im Folgenden fassen wir Ihnen die prominentesten Abschalteinrichtungen des Abgasskandals vor:
- Thermofenster: Das Thermofenster ist eine temperaturabhängige Abschalteinrichtung, die nur in einem vom Hersteller definierten Temperaturbereich korrekt funktioniert. Da das Thermofenster auf die Außentemperatur des Prüfzyklus ausgelegt ist, kommt es im Realbetrieb zu erhöhten Emissionswerten.
- Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung: Bei der Kühlmittel-Sollwert-Temperaturregelung handelt es sich um eine Software, die mithilfe des Kühlmittels die Abgasreinigung steuert. Erkennt das Fahrzeug, dass es sich auf dem Prüfstand befindet, aktiviert es die Software, die den Kühlmittelkreislauf künstlich herunterkühlt. Die Temperatur des Motoröl steigt dadurch nur langsam an und das Fahrzeug stößt weniger Schadstoffe aus.
- Zeitgesteuerte Abschalteinrichtung: Ein Fahrzyklus auf dem Prüfstand dauert nur rund 20 Minuten – das wissen auch die Autobauer. In einigen Fahrzeugen wurde eine zeitgesteuerte Abschalteinrichtung eingebaut, die erwirkte, dass die Abgasreinigung für die Zeit auf dem Prüfstand einwandfrei funktionierte.
- Lenkwinkel- oder Fahrkurvenerkennung: Anhand des Lenkeinschlags erkennt die Software, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand befindet, da dort Lenkeinschläge äußerst geringfügig sind. Wird das Lenkrad jedoch öfter und etwas stärker eingeschlagen – wie es im Straßenverkehr üblich ist – wird die Abgasreinigung automatisch abgeschaltet und die Schadstoffe nicht mehr entsprechend der EU-Vorgaben gereinigt.
Ihre Rechte im Abgasskandal
Wenn Sie Halter eines manipulierten Fahrzeugs sind, haben Sie in aller Regel Anspruch auf Schadensersatz – so der Bundesgerichtshof (BGH) im Mai 2020. Durch die Manipulationen erleidet Ihr Auto hohe Wertverluste, die Sie nun ersetzend von Ihrem Hersteller oder Händler verlangen können. Noch dazu ist ihr manipuliertes Fahrzeug mit Fahrverboten oder sogar einer möglichen Stilllegung behaftet, sofern Sie gesetzlichen Rückruf-Aktionen nicht nachkommen.
Die Kanzlei Dr. Stoll & Sauer empfiehlt Ihnen, Ihre Ansprüche auf dem Weg der Individualklage geltend zu machen. Ihnen stehen folgende Entschädigungsmöglichkeiten zur Verfügung:
- Rückgabe: Geben Sie Ihr manipuliertes Auto an den Hersteller/Händler zurück und erhalten den ursprünglichen Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung. Diese ergibt sich aus den von Ihnen gefahrenen Kilometern.
- Kaufpreisminderung: Da Ihr Fahrzeug durch den Schaden im Wert gemindert ist, können Sie einen Ersatz für die Wertminderung verlangen und bis zu 25 Prozent des Kaufpreises als Entschädigung erhalten. In diesem Fall behalten Sie Ihr Fahrzeug.
- Neulieferung: Prüfen Sie, ob Ihr Neuwagen sich noch in der zweijährigen Gewährleistungsfrist befindet. In diesem Fall können Sie Ihr Fahrzeug zurückgeben und dafür ein sauberes Modell erhalten.
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Dr. Stoll & Sauer
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