Lexikon

Infrastrukturfonds

Infrastrukturfonds werden als krisensichere Kapitalanlagen mit sicheren Einnahmequellen beworben, daher erfreuen sich Investitionen in verschiedene Infrastrukturprojekte wachsender Beliebtheit. Unter Infrastruktur sind die Versorgungsnetzwerke des Alltags zu verstehen, wie zum Beispiel die Telefonnetze, Strom- und Wasserversorgung, Straßen, Schienen- und Schifffahrtswege und Flughäfen (technische Infrastruktur), aber auch Gesundheitsvorsorge und Bildungseinrichtungen (Dienstleistungsinfrastruktur).

 

Da sich die Anforderungen an solche Versorgungsnetzwerke im Laufe der Zeit durch technischen Fortschritt und geänderte Bedürfnisse wandeln, wird die Infrastruktur eines Landes stetig um- und ausgebaut. Ein Beispiel hierfür ist der Ausbau des Straßennetzes, der parallel zum Ausbau des Nahverkehrs vorangetrieben wird. Technische Innovationen führen zur Schaffung gänzlicher neuer Netze: Die verschiedenen Mobilfunknetze und das Internet gehören zu den jüngsten Versorgungsnetzwerken.
 

Historisch betrachtet lag die Verantwortung für viele Infrastruktureinrichtungen lange Zeit beim Staat und der öffentlichen Hand. Es gab die staatseigene Eisenbahn, die Telefonnetze waren ein Staatsmonopol und auch die Energieversorgung wurde durch die öffentliche Hand bereitgestellt, um nur einige Beispiele zu nennen. Die (einstige) Dominanz des Staates auf diesem Sektor rührte daher, dass viele Infrastruktureinrichtungen der Daseinsvorsorge der Bürger dienen und somit Staatsaufgabe sind. In den letzten 20 Jahren wurden allerdings große Teile dieser staatlichen Aufgaben auf private Unternehmen ausgelagert. Da die Infrastruktur zu den wichtigen Belangen des täglichen Lebens zählt, gibt es auch heute noch eine Vielzahl von Vorschriften, die die verschiedenen Bereiche der Infrastruktur regeln.
 

Als Beispiel für den Wandel der Infrastruktur kann das Telekommunikationsnetz herangezogen werden. Früher bot nur die Post als staatliches Monopol Telefonverbindungen an – heute tummeln sich viele verschiedene private Telekommunikationsunternehmen auf einem dynamischen Markt. Ein weiteres Beispiel ist die Privatisierung des Schienenverkehrs. Zwar gehört das größte Schienenverkehrsunternehmen nach wie vor dem Staat, aber es drängen mittlerweile auch Privatbahnen auf die Schiene. Es gibt auch Formen der Zusammenarbeit des Staates und privater Unternehmen (PPP, Public Private Partnership). So arbeitet der Staat heute mit Privatunternehmen zusammen, um seine Aufgaben erfüllen zu lassen. Der Ausbau und die Instandhaltung von Autobahnen, Klinken und weiteren Infrastruktureinrichtungen geschieht mittlerweile zum Teil durch private Unternehmen.

Entwicklungsmodell und Betreibermodell

Es gibt zwei Grundmodelle der Infrastrukturfonds: Das Entwicklungsmodell, das in den Neubau und die Schaffung neuer Straßen, Leitungssystemen, etc. investiert und das Betreibermodell, bei dem die Erhaltung und Nutzung bestehender Infrastruktur im Vordergrund steht. Da die Ziele und die wirtschaftlichen Gegebenheiten dieser beiden Modelle unterschiedlich sind, gibt es dementsprechend auch verschiedene Ausformungen der Infrastrukturfonds. Das heißt, dass die rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen sich von Fonds zu Fonds deutlich unterscheiden, obwohl es sich jeweils um Infrastrukturfonds handelt. Dennoch bestehen bei Infrastrukturfonds Risiken, die sich aus dem Investitionsobjekt Infrastruktur ergeben und daher allen Infrastrukturfonds gemeinsam sind.

Rechtliches Umfeld der Infrastrukturfonds

Der Infrastruktursektor ist ein hochregulierter Markt. Die verschiedenen Versorgungsnetzwerke sind in ein dichtes Geflecht aus Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften eingebettet. Da die Infrastruktur ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens und der Wirtschaft ist, gibt es eine Vielzahl an Regelungen, die auch Infrastrukturfonds beachten müssen. Infrastrukturfonds, die in ausländische Projekte investieren oder im Ausland Infrastruktureinrichtungen betreiben, müssen sowohl inländische wie auch ausländische Gesetze beachten.
 

Besonders viele Vorschriften müssen Infrastrukturfonds dann beachten, wenn sie in bestimmten Sektoren wie der Energieversorgung tätig werden oder Gelder der öffentlichen Hand für Infrastrukturprojekte eingesetzt werden. Das umfangreiche Vergaberecht regelt, wie staatliche Gelder eingesetzt werden dürfen. Wer staatliche Gelder ausgibt, darf nicht einfach ein beliebiges Unternehmen mit dem Bau eines Infrastrukturprojekts beauftragen, sondern muss den Auftrag ausschreiben, um einen fairen Wettbewerb sicherzustellen.
 

Die rechtliche Ausgestaltung der Fonds selbst ist flexibel und hängt davon ab, welches Modell dem Infrastrukturfonds zugrunde liegt und in welchem Sektor der Fonds tätig ist. Und auch bei Infrastrukturfonds mit einem ähnlichen Investitionsziel sind vielfältige rechtliche Konstruktionen möglich. So kann ein Fonds, der in Verkehrswege investiert, direkt als Bauherr des jeweiligen Projekts tätig werden oder der Fonds kann in Unternehmen investieren, die in dieser Branche tätig sind. Es gibt auch Fonds, die Geld in Kapitalanlagen anlegen, die ihrerseits in Infrastrukturprojekte investieren. Ein Standardmodell des Infrastrukturfonds gibt es daher nicht.

Risiken der Infrastrukturfonds

Infrastrukturfonds werden zwar als sicher Kapitalanlagen angepriesen, dennoch wohnt ihnen eine Vielzahl von Risiken inne. Diese Risiken resultieren aus der Konzeption des Fonds, den Marktbedingungen, den rechtlichen Gegebenheiten und Steuervorschriften.

Lange Laufzeit

Investition in Infrastrukturprojekte sind kostspielig und benötigen daher eine langfristige Finanzplanung. Infrastrukturfonds haben daher meist lange Laufzeiten von vielen Jahren. Allerdings können sich während dieser langen Laufzeit die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Benutzer der Infrastruktur ändern oder Innovationen können die Rahmenbedingungen des Markts ändern. Auch können sich die politischen Akzente zwischen alternativen Infrastrukturen verschieben (Schiene – Straße – Wasserwege). Dies hat Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Infrastrukturfonds.

Betriebsrisiken

Da die Schaffung und Instandhaltung der Infrastruktur lange Zeit in den Händen des Staates lag und nicht gewinnorientiert betrieben wurde, gibt es teilweise nur wenige wirtschaftliche Erfahrungswerte. Gerade im Verkehrsbereiche zeigt sich, dass nicht jede ökonomische Einschätzung tragfähig ist. Ein bekanntes Beispiel ist der privat betriebene Eurotunnel zwischen Großbritannien und Frankreich, der 2006 nur knapp einer Insolvenz entging. Auch erfüllt nicht jede Innovation die (Profit)Erwartungen, wie das Beispiel der Mobilfunktechnologie UMTS zeigt.
 

Darüber hinaus müssen Anleger bedenken, dass Infrastrukturfonds Unternehmen sind oder dass sie in entsprechende Unternehmen investieren. Das heißt, dass einem Infrastrukturfonds wie jedem Unternehmen ein Verlustrisiko innewohnt. Solche Verluste können sich zum Beispiel dann realisieren, wenn Projekte scheitern. Oder neue Technologien können mit bestehenden Infrastrukturen konkurrieren, wie das Beispiel Festnetz-, Mobil- und Internettelefonie zeigt. Auch durch politische und rechtliche Neuausrichtungen können „gesicherte“ Einnahmemodelle verändert werden.

Beteiligungsstruktur

Infrastrukturfonds liegen komplexe rechtliche Konstruktionen zugrunde. Da viele Infrastrukturfonds nur mittelbar in die Projekte investieren, sind die Beteiligungsstrukturen oftmals verschachtelt. Haben die Projektgesellschaften viel Handlungsspielraum, werden die Kontroll- und Einflussmöglichkeiten der Fondsgesellschaft verringert. Durch entsprechend komplizierte Konstruktionen sinkt die Transparenz für die Anleger.

Blind-Pool-Risiko

Da beim Aufbau von Straßen, Schienenwegen und sonstiger Infrastruktur verschiedene rechtliche Hürden wie Genehmigungen und Auflagen zu überwinden sind, werden Infrastrukturfonds häufig als Blind-Pool-Fonds aufgelegt. Das bedeutet, dass zum dem Zeitpunkt, in dem der Fonds platziert wird, noch nicht feststeht, in welches konkrete Infrastrukturobjekt investiert werden soll, sondern es wird nur ein Rahmen für mögliche Investitionsobjekte abgesteckt. Jedoch entscheidet die Entwicklung des konkreten Investitionsobjekts über den wirtschaftlichen Erfolg des Infrastrukturfonds, sodass bei einem Blind-Pool die Chancen und Risiken im Vorhinein schwierig abzuschätzen sind. Für die Anleger vergrößert die Investition in einen Blind-Pool-Fonds wegen der damit verbundenen Ungewissheit das wirtschaftliche Risiko.

Fremdfinanzierung

Infrastrukturprojekte sind teuer, weswegen die meisten Infrastrukturfonds Kredite aufnehmen müssen. Diese Kredite müssen abgesichert werden, weswegen Teile der Infrastruktureinrichtungen an die Banken zur Sicherung übertragen werden. Scheitert das Projekt, haben die Banken direkten Zugriff auf die „Sachwerte“ des Infrastrukturfonds. Für die Anleger kann dies auf Verluste hinauslaufen.

Steuerliche Risiken

Wie die Anleger eines Infrastrukturfonds die Erträge ihrer Fondsbeteiligung versteuern müssen, hängt von der Ausgestaltung des Fonds ab. So wird ein Fonds, der direkt in Projekte investiert anders besteuert als ein Fonds, der über Infrastrukturunternehmen oder Kapitalanlagen indirekt in Infrastrukturprojekte investiert. Bei grenzüberschreitenden Investitionen kommen weitere Steuerfragen, wie zum Beispiel die Doppelbesteuerung hinzu. Auch bei der Zusammenarbeit von Privatunternehmen und der öffentlichen Hand (PPP) treten komplexe steuerliche Fragestellung auf.

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