Wie ein Fehler in einer Batteriezelle zum Brand führen kann
Drehmoment zufolge haben Qualitätsprüfungen ergeben, dass einzelne Batteriezellen aus der Produktion eines Zulieferers nicht den Vorgaben entsprechen. Das Magazin zitiert das Kraftfahrt-Bundesamt mit dem Hinweis auf „überlappende Zellen“. Die betroffenen Hochvoltbatterien können demnach beim Schnellladen überhitzen und in Brand geraten. Das VW-Schreiben warnt allgemeiner vor Überhitzung bei hohem Ladestand.
In einer Batteriezelle trennt eine dünne Schicht die beiden Elektroden voneinander. Ist diese Trennung durch einen Fertigungsfehler beeinträchtigt, kann es im Inneren der Zelle zu einem Kurzschluss kommen. Dabei entsteht Wärme. Im schlimmsten Fall setzt die Zelle immer mehr Wärme frei und erhitzt benachbarte Zellen so stark, dass auch sie außer Kontrolle geraten. Fachleute sprechen dann von einem thermischen Durchgehen.
Bei einem gesonderten US-Rückruf des ID.4 hat VW falsch ausgerichtete Elektroden als möglichen Auslöser eines Brands genannt. Das geht aus dem Bericht an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA vom 3. Dezember 2025 hervor (25V836, Herstellercode 93EV). Welcher Fertigungsfehler bei den deutschen Fahrzeugen genau vorliegt, erklärt VW im Schreiben zu 93MF nicht.
Die Ladegrenze soll die Batterie bis zur Abhilfe weniger belasten. Das angekündigte Update hat eine andere Aufgabe. Es soll Auffälligkeiten in Batteriemodulen früh erkennen und melden. Einen Fertigungsfehler in einer Zelle kann die Software nicht reparieren. Deshalb kommt es darauf an, dass VW betroffene Module zuverlässig erkennt und bei Bedarf ersetzt.
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Was VW im Rückrufschreiben 93MF ankündigt
- VW warnt vor Bränden, die schwere bis lebensgefährliche Verletzungen verursachen können. Für die betroffenen Fahrzeuge gelten laut Schreiben folgende Vorgaben und Maßnahmen.
- Nur bis 80 Prozent laden. Soweit technisch möglich, will VW die Ladegrenze vorübergehend auch im Fahrzeug hinterlegen.
- Die beiden mitgeschickten Warnaufkleber gut sichtbar in der Ladedose und neben dem Fahrzeugdisplay anbringen. Andere Fahrer über die Gefahr informieren.
- Die Aktion 93MF gilt auch für Fahrzeuge, die zusätzlich vom Rückruf 93MI betroffen sind.
- VW will den Termin und den Ablauf des Updates gesondert mitteilen. Falls nötig, tauscht VW Batteriemodule aus. Die Arbeiten sind kostenlos. Danach sollen wieder die volle Ladekapazität und die ursprüngliche Reichweite zur Verfügung stehen.
Wann können Besitzer wieder voll laden?
Wer vor einer längeren Fahrt bisher vollgeladen hat, muss mit weniger Reichweite planen. Das Schreiben nennt weder einen Termin für das Update noch die Kriterien, nach denen VW über den Austausch von Batteriemodulen entscheidet.
Auf seiner britischen Seite zu den Aktionen 93MF und 93MV berichtet VW von einzelnen Fällen mit Sachschäden. Bestätigte Fälle mit Personenschäden seien nicht bekannt. VW gibt dort weder den Ort der Vorfälle noch den Namen des Zulieferers an.
Mercedes plant nach Softwaremaßnahmen den Batterietausch
Mercedes setzte beim EQA und EQB zunächst auf Software. Der spätere Rückruf 16136R sieht bei den davon betroffenen Fahrzeugen den Austausch der Hochvoltbatterie vor. Laut einer KBA-Auskunft vom 17. August 2026, über die Dr. Stoll & Sauer am 6. Oktober 2026 berichtete, war der Start in Europa für das vierte Quartal 2026 geplant. Weil anfangs nur begrenzt Ersatzbatterien zur Verfügung stehen, reicht der Zeitrahmen für die gesamte Aktion bis zum 1. März 2028. Ob VW über einzelne Module hinaus auch ganze Batterien tauschen muss, bleibt offen.
Was betroffene Käufer tun können
Käufer können einen Mangel beim Verkäufer melden und eine Reparatur verlangen. Ob weitere Ansprüche bestehen, hängt unter anderem vom Kaufvertrag, der Schwere des Mangels und davon ab, ob und wann der Verkäufer ihn beheben kann.
- Käufer können unter bestimmten Voraussetzungen ein mangelfreies Ersatzfahrzeug verlangen.
- Scheitert die Reparatur oder bleibt sie trotz angemessener Wartezeit aus, kann je nach Fall ein Rücktritt oder eine Minderung des Kaufpreises infrage kommen.
- Sind durch den Mangel Kosten entstanden, lässt sich prüfen, ob der Verkäufer dafür Schadensersatz schuldet.
- Das LG Stuttgart ordnete in zwei von Dr. Stoll & Sauer geführten Mercedes-EQA-Verfahren die Rückabwicklung an (Urteile vom 30. Juli 2026, Az. 53 O 3/26 und 53 O 27/26). Im Verfahren um einen Ford Kuga entschied das LG Regensburg per Versäumnisurteil auf Rücknahme (27. Juli 2026, Az. 84 O 872/26). Ford legte Einspruch ein.
Für die Prüfung eines VW-Falls sind der Kaufvertrag, das Rückrufschreiben und bisherige Werkstattnachweise hilfreich. Dr. Stoll & Sauer bietet betroffenen Käufern eine kostenlose Ersteinschätzung im E-Mobilitäts-Online-Check an.
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