Eingeschränkte Batterieüberwachung erhöht Brandrisiko
Betroffen sind Kia Niro aus dem Produktionszeitraum vom 19. Mai 2020 bis zum 18. März 2022. Nach den veröffentlichten Rückrufinformationen liegt das Problem in der Überwachungsfunktion des Batteriemanagementsystems.
Das Batteriemanagementsystem, kurz BMS, kontrolliert unter anderem den Zustand und die Spannungswerte der einzelnen Batteriezellen. Aufgrund der eingeschränkten Überwachungsfunktion kann eine Unregelmäßigkeit innerhalb der Batterie möglicherweise nicht rechtzeitig erkannt werden. Im Extremfall kann sich dadurch das Brandrisiko erhöhen.
Die wichtigsten Angaben zum Kia-Rückruf:
- Hersteller: Kia
- Modell: Niro
- Produktionszeitraum: 19. Mai 2020 bis 18. März 2022
- Weltweit betroffene Fahrzeuge: 14.117
- KBA-Referenznummer: 16831R
- Kia-Rückrufcode: 261261
- Risikoart: Feuer
- Technische Ursache: eingeschränkte Überwachungsfunktion des Batteriemanagementsystems
- Mögliche Folge: Überhitzung der Hochvoltbatterie und Fahrzeugbrand
- Maßnahme: Softwareupdate des Batteriemanagementsystems
- Weitere Maßnahme: bei Bedarf Austausch der vollständigen Batterieeinheit
Ob ein bestimmtes Fahrzeug betroffen ist, lässt sich zuverlässig nur anhand der Fahrzeugidentifikationsnummer, kurz FIN oder VIN, feststellen. Fahrzeughalter sollten sich deshalb an einen autorisierten Kia-Vertragspartner wenden.
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Was betroffene Kia-Niro-Halter jetzt tun sollten
Dr. Stoll & Sauer rät Fahrzeughaltern, den Rückruf ernst zu nehmen und die Durchführung der Maßnahme nicht unnötig hinauszuschieben.
Folgende Schritte sind sinnvoll:
- Betroffenheit anhand der Fahrzeugidentifikationsnummer überprüfen lassen.
- Rückrufschreiben und weitere Mitteilungen von Kia vollständig aufbewahren.
- Zeitnah einen Termin bei einer autorisierten Kia-Werkstatt vereinbaren.
- Nachfragen, ob lediglich ein Softwareupdate oder zusätzlich eine Batterieprüfung erfolgt.
- Diagnoseergebnisse und durchgeführte Arbeiten schriftlich bestätigen lassen.
- Warnmeldungen, Ladeabbrüche oder ungewöhnliche Wärmeentwicklung dokumentieren.
- Werkstattaufenthalte und Nutzungsausfälle festhalten.
- Kaufvertrag, Leasingvertrag und Finanzierungsunterlagen sichern.
- Bei wiederholten Reparaturen oder verbleibenden Einschränkungen rechtliche Ansprüche prüfen lassen.
Treten Warnmeldungen, Rauchentwicklung, ungewöhnliche Gerüche oder eine starke Wärmeentwicklung im Bereich der Batterie auf, sollte das Fahrzeug nicht weiter genutzt oder geladen werden. Betroffene sollten sich unverzüglich an Kia, eine Vertragswerkstatt oder im akuten Gefahrenfall an die Feuerwehr wenden.
Eine allgemeine Anweisung, sämtliche betroffenen Fahrzeuge bis zur Reparatur ausschließlich im Freien abzustellen, geht aus den bisher veröffentlichten europäischen Rückrufinformationen nicht hervor. Individuelle Sicherheitshinweise des Herstellers und der Werkstatt müssen jedoch unbedingt beachtet werden.
Rückruf wegen Brandgefahr kann einen Sachmangel darstellen
Ein Fahrzeug muss bei der Übergabe die vereinbarte und die objektiv zu erwartende Beschaffenheit aufweisen. Dazu gehört insbesondere, dass es im normalen Straßenverkehr sowie beim Parken und Laden sicher verwendet werden kann.
Besteht aufgrund eines Fehlers an der Hochvoltbatterie oder ihrer Überwachung ein erhöhtes Brandrisiko, kann ein Sachmangel vorliegen. Welche Ansprüche bestehen, hängt insbesondere vom Kaufdatum, vom Verkäufer, vom Alter des Fahrzeugs und von der Wirksamkeit der angebotenen Nachbesserung ab.
Mögliche Ansprüche sind:
- kostenlose und dauerhafte Beseitigung des Mangels
- Austausch fehlerhafter Batteriemodule oder der gesamten Hochvoltbatterie
- Minderung des Kaufpreises
- Rücktritt vom Kaufvertrag bei einem erheblichen und nicht erfolgreich beseitigten Mangel
- Schadensersatz für nachweisbare finanzielle Nachteile
- Ersatz von Abschlepp-, Mietwagen- oder sonstigen Folgekosten
- Ansprüche wegen eines verbleibenden Minderwerts
Kaufrechtliche Gewährleistungsansprüche richten sich grundsätzlich gegen den Verkäufer. Das kann ein Kia-Vertragshändler oder ein anderer gewerblicher Fahrzeughändler sein. Ansprüche unmittelbar gegen den Hersteller können sich insbesondere aus einer Garantie, aus dem Produkthaftungsrecht oder aus einer deliktischen Haftung ergeben.
Dr. Stoll & Sauer führt bereits Klagen gegen andere Autohersteller
Der Kia-Rückruf ist kein Einzelfall. Auch bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden anderer Hersteller stehen Hochvoltbatterien, Batteriezellen, Softwaremaßnahmen und mögliche Brandgefahren im Mittelpunkt von Rückrufen und rechtlichen Auseinandersetzungen.
Dr. Stoll & Sauer führt bereits Klagen und Verfahren gegen verschiedene Hersteller:
- Mercedes-Benz: Die Kanzlei führt mehrere Verfahren und Klagen im Zusammenhang mit den Modellen EQA und EQB. Gegenstand sind mögliche interne Kurzschlüsse in den Batteriezellen, Brandgefahr, Ladebeschränkungen sowie die Frage, ob ein Softwareupdate eine fehlerhafte Hochvoltbatterie dauerhaft absichern kann. Beim Landgericht Dortmund wurde eine Klage gegen die Mercedes-Benz Group AG eingereicht.
- Ford: Dr. Stoll & Sauer hat beim Landgericht Hildesheim Klage gegen die Ford-Werke GmbH und ein Autohaus wegen eines Ford Kuga Plug-in-Hybrid eingereicht. Verlangt wird die Rückabwicklung des Kaufvertrags. Hintergrund sind die Brandgefahr an der Hochvoltbatterie, Ladebeschränkungen und die aus Sicht der Kanzlei nicht dauerhaft gelöste technische Ursache. Weitere Klagen sind in Vorbereitung.
- Porsche: Die Kanzlei führt zahlreiche Klagen im Zusammenhang mit dem Porsche Taycan. Dabei geht es unter anderem um Probleme mit der Hochvoltbatterie, wiederholte Rückrufe, Brandgefahr, Reichweitenabweichungen und weitere Sachmängel. Klagen wurden unter anderem bei den Landgerichten Kaiserslautern, Göttingen und Marburg eingereicht.
- Opel: Dr. Stoll & Sauer führt nach eigenen Angaben ebenfalls Klagen gegen Opel im Zusammenhang mit Problemen bei Elektro- und Hybridfahrzeugen. Im Mittelpunkt stehen sicherheitsrelevante Batteriemängel und die Frage nach der dauerhaften Beseitigung der Brandgefahr.
Die Verfahren zeigen, dass ein Rückruf die rechtliche Auseinandersetzung nicht zwangsläufig beendet. Besonders kritisch ist es, wenn Hersteller lediglich Softwaremaßnahmen anbieten, obwohl die mögliche Ursache des Brandrisikos in einer beschädigten oder fehlerhaft produzierten Batteriezelle liegt.
Kostenlose Ersteinschätzung im Kia-Online-Check
Betroffene Kia-Niro-Halter können ihre rechtlichen Möglichkeiten im kostenlosen Kia-Online-Check von Dr. Stoll & Sauer prüfen lassen.
Die Kanzlei untersucht insbesondere:
- ob das konkrete Fahrzeug vom Rückruf 261261 betroffen ist
- ob noch Gewährleistungsansprüche gegen den Verkäufer bestehen
- ob Garantieansprüche gegen Kia geltend gemacht werden können
- ob das Softwareupdate zur dauerhaften Beseitigung des Mangels ausreicht
- ob die Hochvoltbatterie ausgetauscht werden muss
- ob nach der Maßnahme Lade- oder Nutzungseinschränkungen verbleiben
- ob ein Anspruch auf Minderung oder Rückabwicklung besteht
- ob Nutzungsausfall, Wertverlust oder weitere Schäden ersetzt werden können
- ob eine Rechtsschutzversicherung die Kosten eines Vorgehens übernimmt
Die Ersteinschätzung erfolgt kostenlos und unverbindlich.