13.06.2016 Sonstiges

Lehman-Zertifikate: Positives Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg für Anleger

Das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg sprach Anlegern, die nach einer falscher Anlageberatung in Lehman-Zertifikate investierten, Schadensersatz zu (Aktenzeichen 14 U 291/10). Das Gericht bestätigte ein Urteil des Landgerichts Hamburg. Damit ist die umfangreiche Rechtsprechung rund um die Lehman-Zertifikate um ein weiteres, obergerichtliches Urteil reicher.

Der Entscheidung des Oberlandesgerichts liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Einem Ehepaar wurde wenige Monate vor der Pleite der US-Bank Lehman Brothers empfohlen, bestehende Commerzbank-Zertifikate gegen Lehman-Zertifikate „umzutauschen“. Bei dem Beratungsgespräch nannte der Bankberater ein falsches – schlechteres – Rating für die Commerzbank. Das Gericht erblickte hierin eine schadensersatzauslösende Verletzung des Anlageberatungsvertrags. Denn den Anlegern wurden wesentliche Informationen vorenthalten und ihnen so kein Vergleich der Zertifikate ermöglicht.

Einen weiteren Fehler in der Anlageberatung durch die verurteilte Bank erblickte das Hanseatische Oberlandesgericht darin, dass der Berater negative Presseberichte über die Bank Lehman Brothers verschwieg. Dies sei ein Risikofaktor, über den die Bank die Anleger hätte aufklären müssen. Auch dieser Gesichtspunkt löste einen Schadensersatzanspruch wegen falscher Anlageberatung hinsichtlich der Lehman-Zertifikate aus.

Bereits zuvor hatten verschiedene Gerichte Banken zu Schadensersatz verurteilt. So wurden beispielsweise die mangelnde Aufklärung über die Vermittlungsprovisionen moniert. Ein anderes Gericht beanstandete, dass Anleger nicht darüber aufgeklärt wurde, dass im Fall einer Insolvenz das Einlagensicherungssystem nicht greift und somit Risiken bestehen. Ein weiteres Gericht urteilte, dass Anleger sich drauf verlassen können müssen, dass sie von der Bank über alle Risiken aufgeklärt werden, die mit einer Investition in Lehman-Zertifikate verbunden sind.