Schiffsfonds: BFH kassiert anfänglich hohe Verlustzuweisungen

Mit der Entscheidung vom 14.04.2011 hat der Bundesfinanzhof (BFH) endlich geklärt, wie die Initialkosten bei Schiffsfondsbeteiligungen anzusetzen sind. Lange Zeit war nämlich ungeklärt, ob Schiffsfonds ein besonderes steuerliches Modell gegenüber geschlossenen Immobilienfonds etc. anwenden dürfen. Dieses steuerliche Konzept sah vor, dass durch den Abzug von Zahlungen für diverse Dienstleistungen als Betriebsausgaben hohe anfängliche Verlustzuweisungen entstanden sind/entstehen, die die Beteiligung an Schiffsfonds für die Anleger somit attraktiver macht.

Diese Initialkosten, die als Betriebsausgaben deklariert wurden (Eigenkapitalbeschaffung, Prospekterstellung etc.), sind nach dem Urteil des BFH nun aber vollständig den Anschaffungskosten des Schiffes zuzurechnen, wenn es sich um eine typische Schiffsfondsbeteiligung handelt. Zusätzlich hierzu wurde entschieden, dass die amtliche Tabelle für sonstige Seeschiffe aus dem Jahr 1992, die von einer Nutzungs- und somit Abschreibungsdauer von 12 Jahren ausgeht, auf neuere Schiffe – und somit dem Schiff in dem dem Urteil zugrundeliegenden Sachverhalt - nicht anwendbar sei. Konsequenz daraus ist, dass die Finanzgerichte und Finanzämter demnach die Restnutzungsdauer schätzen dürfen. In dem Streitfall des BFH handelte es sich um ein gebrauchtes Schiff, welches die Fondsgesellschaft mit 11 Jahren Nutzungsdauer angesetzt hat, der BFH die Ansicht des Finanzamts aber billigte, welches eine Restnutzungsdauer von 15 Jahren annahm.



Somit stellte der BFH in seinem Urteil also fest, dass das besondere steuerliche Konzept mit seiner besonderen Attraktivität für Anleger wegen der hohen anfänglichen Verlustzuweisung für Schiffsfondsbeteiligungen keine Berechtigung mehr hat. Vielmehr sind Beteiligungen an Schiffsfonds nicht anders zu behandeln als solche an Immobilienfonds, bei denen die anfänglichen Aufwendungen den Anschaffungskosten zugerechnet werden. Dem ist vollumfänglich zuzustimmen, da es keinen Unterschied macht, ob die Anschaffung, Verwaltung und Vercharterung eines Tankschiffes in Rede steht, oder die Anschaffung, Verwaltung und Vermietung einer Großimmobilie.



Die Auswirkungen für die Anleger sind nicht unerheblich und stellen sich wie folgt dar: liegen noch abänderbare Feststellungsbescheide vor, so werden die anfänglich hohen Verlustzuweisungen nunmehr vom Betriebsstättenfinanzamt kassiert. Dies bedeutet, dass die Steuerbescheide abgeändert werden müssen, da die Abschreibungen viel zu hoch waren: im Streitfall hätte eben eine Abschreibung über 15 Jahre stattfinden müssen und nicht nur über 11 Jahre. Anleger werden also aller Voraussicht nach demnächst Post von ihrer Fondsgesellschaft erhalten, in der sie über die neue steuerliche Entwicklung informiert werden.



Anschließend ist betroffenen Anlegern von Schiffsfonds zu raten, einen im Kapitalanlagerecht tätigen Rechtsanwalt aufzusuchen, der eventuelle Ansprüche der Anleger gegen die Fondsgesellschaft oder Anlageberater überprüfen kann. In diesem Zusammenhang hätte der Prospekt oder während der Anlageberatung darauf hingewiesen werden müssen, wie die steuerlichen Risiken einzuschätzen sind, welche sich – nach dem Urteil des BFH – nun ja verwirklicht haben. Vor allem ist aber noch darauf hinzuweisen, dass bei Schiffsfondsbeteiligungen, die vor dem Jahr 2002 abgeschlossen wurden, alle Ansprüche endgültig mit Ablauf des 31.12.2011 verjähren, danach also nicht mehr durchgesetzt werden können. Somit ist schnelles Handeln der Anleger gefragt.

 

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