13.06.2016

Zertifikate

1. Allgemeines
Unter Zertifikaten versteht man Schuldverschreibungen mit einer derivaten Komponente, d.h. ihre Wertentwicklung hängt von derjenigen anderer Finanzprodukte ab. Damit gehören Zertifikate zu den strukturierten Finanzprodukten. Sie werden von Banken emittiert, die Zertifikate als eine Form der Refinanzierung nutzen.

Der Verkauf findet überwiegend an Privatkunden statt, die sich durch den Kauf von Zertifikaten an komplexen Anlagestrategien verschiedener Anlageklassen beteiligen können. Dabei gewähren Zertifikate anders als gewöhnliche Schuldverschreibungen keine feste Verzinsung. Stattdessen haben Anleger am Erfolg oder Misserfolg eines Börsengeschäfts teil, womit die Ertrags- und Verlustchancen nicht genau festgelegt sind.

Gehandelt werden Zertifikate – vorwiegend außerbörslich – an der Stuttgarter (EUWAX), Frankfurter (Scoach), Düsseldorfer und Berliner Börse. Die erzielten Erträge unterliegen in Deutschland bei Zertifikaten, die nach dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, der Abgeltungssteuer von 25%.

2. Arten
Man unterscheidet zwischen Partizipationszertifikaten und Zertifikaten mit definiertem Rückzahlungsprofil. Die Wertentwicklung von Partizipationszertifikaten hängt von der eines Basiswerts ab, für den Waren und Finanzwerte aller Art in Betracht kommen. Auf diese Weise können Anleger in Basiswerte investieren, ohne diese selbst an der Börse zu kaufen. Zertifikate mit definiertem Rückzahlungsprofil sind dagegen befristete Zertifikate, die bei Fälligkeit einen von vorab festgelegten Bedingungen abhängigen Wert annehmen.

3. Partizipationszertifikate
Aus Partizipationszertifikaten lassen sich wiederum verschiedene Klassen bilden. Die wichtigsten stellen die Index-, Basket- und Tracker-Zertifikate dar.
Ersteren liegt als Basiswert ein Aktien-, Wertpapier oder Rohstoff-Index zugrunde. Sie bilden die Entwicklung des Index eins zu eins ab.
Basket-Zertifikate stellen eine Abwandlung der Index-Zertifikate dar, indem sie einen Korb von Aktien oder anderen Anlageprodukten abbilden.
Bei Tracker-Zertifikaten wird die Kursentwicklung eines Basiswerts abgebildet, aber keine Dividende ausgezahlt. Stattdessen wird diese diskontiert und damit bereits im Vornhinein im Kurswert berücksichtigt.

4. Zertifikate mit definiertem Rückzahlungsprofil
Prominent unter den Zertifikaten mit definiertem Rückzahlungsprofil sind die Discount- und Bonuszertifikate, Optionsscheine und Aktienanleihen.
Die Discount-Zertifikate dienen im Vergleich zum direkten Kauf des Basiswerts der Risikobegrenzung. Der Preis dafür ist die Deckelung der erzielbaren Rendite mit einem produktspezifischen Höchstwert (Cap).

Bei Bonuszertifikaten bestimmen zwei Parameter, die Barriere (Sicherheitslevel) und das Bonuslevel, wann ein vorab festgelegter Bonus ausgezahlt wird. Je nach Größe dieser Parameter und Kombination der Bonus-Zertifikate können verschiedene Anlagemöglichkeiten realisiert werden.

Optionsscheine stellen verbriefte Optionen dar. Sie garantieren dem Anleger das Recht, innerhalb einer festgelegten Bezugsfrist einen bestimmten Basiswert nach einem bestimmten Bezugsverhältnis zu einem vorher festlegten Basispreis zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option).

Zuletzt vermitteln Aktienanleihen dem Emittenten das Recht, am Ende der Laufzeit entweder den Nominalbetrag zu 100% an den Anleger zurückzubezahlen oder aber eine bestimmte Anzahl an vorher festgelegten Aktien zu liefern.

5. Risiken
Zunächst bergen Zertifikate als Schuldverschreibungen das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Emittenten. In einem solchen Fall tritt ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ein (Emittentenrisiko). Dabei bieten selbst solide Banken als Verkäufer von Zertifikaten keine absolute Sicherheit, wie man im September 2008 an der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers sehen konnte. Anders als bei in Fonds angelegten Geldern, die den rechtlichen Status von Sondervermögen haben und deshalb bei der Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt sind, oder bei Spareinlagen, in denen Einlagensicherungsfonds weitreichenden Schutz vor der Insolvenz der Bank bieten, fehlt es an derartigem Schutz bei Zertifikaten. Das Risiko der Zahlungsunfähigkeit sollte deshalb nicht verharmlost werden.

Bei Zertifikaten entstehen dem Anleger zudem Kosten. Das ist zwar zunächst nichts Ungewöhnliches, anders als bei anderen Anlageprodukten, wie z.B. Investmentfonds, bei denen den Emittenten die Pflicht zum Ausweis voraussichtlich entstehender oder tatsächlich angefallener Kosten trifft, erschließt sich die Höhe der Kosten dem Anleger allerdings nicht unmittelbar.

Darüber hinaus ist Zertifikaten ein Kursänderungsrisiko immanent. Da sie sich auf Basiswerte beziehen, die in ihren Kursen schwanken können, kann sich auch der Preis des Zertifikats entsprechend ändern. In der Regel bindet man das Kapital bei der Anlage in ein Zertifikat für einen bestimmten Zeitraum, innerhalb dessen nicht über dieses Geld verfügt werden kann. Ein spontaner Zugriff ist dann nicht möglich. Zwar kann man das Zertifikat mit einiger Distanz zur Fälligkeit auf dem Zweitmarkt verkaufen, muss aber gegebenenfalls Abschläge in Kauf nehmen.

Daneben bestehen weitere Risiken, etwa das Währungsrisiko, falls das Zertifikat nicht auf Euro lautet oder das Wertverfallrisiko. Es ist deshalb wichtig, dass Anleger bei einer Anlage in Zertifikate möglichst genau über die bestehenden Risiken aufgeklärt werden. Nur dann können sie sich ein genaues Bild über diese Anlagemöglichkeit machen.