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Super Outright Sale

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Wird in den Medien über falsche Anlageberatung berichtet, so wird gerne das Beispiel des Kleinanlegers, dem eine vollkommen unpassende Kapitalanlage „angedreht“ wird, herangezogen. Dass es auch Unternehmen gibt, die bei der Investition in Kapitalanlagen falsch beraten wurden, wird hingegen selten angesprochen. Doch ein Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main (Urteil vom 02.02.2012 – 3-04 O 50/10) zeigt, dass auch Unternehmen sich nicht scheuen sollten, Ansprüche geltend zu machen. Das Gericht verurteilte die Hausbank eines Unternehmens dazu, Schadensersatz wegen Falschberatung zu zahlen.

Dem Urteil liegt folgender Fall zugrunde: Ein Reisebüro wandte sich an die Hausbank, um sich über Absicherungen hinsichtlich eines steigenden Dollarkurses beraten zu lassen. Die Hausbank empfahl dem Reisebüro, das vorher zu diesem Zweck Swaps hatte, das strukturierte Finanzderivat Super Outright Sale. Das Derivat Super Outright Sale funktioniert groß umrissen folgendermaßen: Das Unternehmen erwirbt die Möglichkeit, an einem bestimmten Termin US-Dollar zu einem bestimmten Kurs zu kaufen, wenn sich der Kurs zuvor nicht über einen bestimmten Höchst- und Mindestkurs bewegt hatte. Dadurch soll ermöglicht werden, dass US-Dollar zu einem günstigeren Kurs als dem Tageskurs angekauft werden können.

Das Reisebüro führte dieses Geschäft in der Folgezeit mehrfach durch. Nachdem es aber durch den Super Outright Sale zu Verlusten kam, klagte das Reisebüro auf Schadensersatz wegen Falschberatung. Die Hausbank habe nicht richtig aufgeklärt über die Risiken, die mit einem solchen Geschäft verbunden sind. So wollte das Reisebüro eine Absicherung gegen bestimmte Kursrisiken und kein spekulatives Finanzgeschäft mit unausgewogenen Optionen. Die Hausbank hielt dagegen, dass das Reisebüro bereits viele ähnliche Geschäfte getätigt habe, deshalb um solche Risiken wissen müsse und nicht besonders aufgeklärt werden musste.

Hinweispflichten aus Beratungsvertrag verletzt - Schadensersatz

Das Landgericht Frankfurt am Main billigte dem Reisebüro Schadensersatz zu. Zwar geben es auf dem Finanzmarkt deutlich komplexere Finanzprodukte als den Super Outright Sale, dessen Risiken noch durchschaubar sind. Aber aus dem Beratungsvertrag mit der Hausbank ergibt sich, dass die Bank dem Unternehmen fortlaufende Beratung schuldet. Insbesondere dann, wenn aus ihrer fachkundigen Kenntnis heraus Anlass zu Bedenken bestehen, die bisherige Anlagestrategie weiter auszuüben.

Da die Hausbank dem Reisebüro während des Kurssturzes des US-Dollar in den Jahren 2006-2008 nicht von den Super Outright Sale abgeraten hatte, musste das Reisebüro Verluste hinnehmen. Vielmehr hatte das Reisebüro darauf vertraut, dass der langjährige, bei der Hausbank angestellte Berater durch Umstrukturierungen die Verluste wieder ausgleichen würde. Nach Überzeugung des Gerichts warnte die Hausbank das Reisebüro nie davor, dass mit der Umstrukturierung Gefahren und Risiken einhergehen. Vielmehr sei das Reisebüro im dem Glauben gelassen worden, dass die Risiken beherrschbar seien und abgewendet werden können. Wegen der fehlenden Beratung verurteilte das Gericht die Hausbank dazu, Schadensersatz zu zahlen.
 

Ihre Berater zu diesem Thema

Dr. Ralf Stoll

Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

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