13.06.2016

MIG Fonds – riskante Investitionen für Kleinanleger

MIG-Fonds sind Beteiligungsfonds an jungen Unternehmen (Start-Ups), deren Geschäftsideen meist als besonders riskant gelten. Die Beteiligungen der Anleger an MIG-Fonds werden dazu aufgewendet, diesen Firmen Kapital bereitzustellen. So soll der Marktantritt sowie die Entwicklung der Produkte erleichtert werden. Viele Anleger wissen gar nicht um die Risiken: Hierbei handelt es sich um Wagniskapital – Gewinne durch hohe Renditen sind zwar möglich, aber unsicher. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist ebenso möglich. Erhalten Sie im Folgenden nützliche Anlegerinformationen zu den MIG-Fonds und wie Sie agieren können, falls Sie nicht ausreichend über die Risiken informiert worden sind.

Die rechtliche Lage für an MIG-Fonds Beteiligte

Generell gilt: Wenn das individuelle Anlageberatungsgespräch Defizite oder Fehler aufwies, dann stehen Schadensersatzansprüche der Anleger im Raum. Haben Sie sich als Anleger Zweifel, ob die Empfehlung des Beraters zur Beteiligung für Sie „richtig“ war? Wir beraten und vertreten Anleger, welchen die MIG-Fonds von Anlageberatern als sicher empfohlen worden waren und die sich daher schlecht beraten fühlen.

Laut Bundesgerichtshof stehen bei Falschberatung oder nicht anleger- und anlagegengerechter Beratung die Berater in der Haftung.

Auch, wenn Sie sich als Anleger an einem MIG-Fonds beteiligen möchten und wissen wollen, ob und welche Rechte Ihnen zustehen, können Sie sich an uns wenden.

Prospekthaftung

Auch der Prospekt einer Kapitalanlage muss nach dem Bundesgerichtshof den Anleger richtig und vollständig über die Anlage zu informieren. Dennoch finden sich in den entsprechenden Prospekten immer wieder Ungenauigkeiten oder Fehler. In diesem Fall steht dem Anleger Schadensersatz zu. Die Schadensersatzansprüche können gegen unterschiedliche Personen bestehen, wie zum Beispiel Initiatoren, Gründungsgesellschafter oder auch die beratende Bank.

Korrekte Anlageberatung

Eine ordnungsgemäße Anlageberatung muss dem Anleger eindeutig und realistisch darlegen, welche Risiken die Beteiligung am Fonds mit sich bringt. Zu diesen Risiken zählen unter anderem:

  • Totalverlustrisiko: Verlust der gesamten Einlage des Anlegers
  • Weiche Kosten: Geldfluss in den Vertrieb oder die Verwaltung des Fonds anstatt in die Anlage
  • Zurückforderung der Ausschüttungen
  • Mangelnde Fungibilität: Verkauf von Anteilen nur mit erheblichen Schwierigkeiten und Verlusten
  • Änderung von steuerlichen Bewertungen
  • Eventuelle Nachschusspflichten
  • Fremdfinanzierungsrisiko: Kreditaufnahme des Fonds führt in Krisensituationen zum Verlust für Anleger

Die Idee hinter den MIG-Fonds

Gute Ideen können jungen Unternehmern bares Geld einbringen – und ebenso den Finanzierern eines solchen Unternehmens. Die Fondsanbieter MIG Verwaltungs AG und HMW Emissionshaus AG haben diese Geschäftsidee in Kapitalanlagen übertragen und so die MIG Publikumsfonds auf den Markt gebracht. Die geringen Beteiligungsbeträge und die bei manchen Fonds angebotene Rateneinzahlung ermöglichten es somit auch Kleinanlegern, sich an diesen Fonds zu beteiligen. Die in München bzw. Pullach ansässigen Anbieter haben sich auf Fonds spezialisiert, die in Technologie-Unternehmen investieren und ihnen Wagniskapital (Venture Capital) für ihre Geschäftsideen zur Verfügung stellen.

Junge Unternehmen bringen in den meisten Fällen nicht die notwendigen Sicherheiten auf, um ihre Etablierung auf dem Markt durch eigene Kredite finanzieren zu können. Hier kommen die MIG-Fonds ins Spiel: die notwendigen finanziellen Mittel werden diesen Unternehmen durch das Wagniskapital der Anleger zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug erwirbt die MIG Verwaltungs AG und HMW Emissionshaus AG Geschäftsanteile, die später zur Kapitalerhöhung dienen sollen. Ab diesem Zeitpunkt liegt die Aussicht auf Gewinn oder Verlust im Erfolg oder Misserfolg des Start-Ups.

Die Auswahl der Unternehmen ist jedoch keinesfalls willkürlich. Diese wird von der MIG Verwaltungs AG übernommen und betreut. Diese hat das Geld der Anleger bereits in einen Korb von jungen Unternehmen investiert. Die Investitionsziele der einzelnen Fonds überschneiden sich dabei. So haben beispielsweise neun der Fonds in ein Regensburger/Münchner Pharma-Unternehmen investiert.

Doch die MIG-Fonds übernehmen nicht nur Investitionen in Unternehmen, sie sind selbst unternehmerische Gesellschaften in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft. Dementsprechend können sich für Anleger die Chancen einer unternehmerischen Beteiligung realisieren – im Gegenzug tragen sie aber auch die Konsequenzen von wirtschaftlichen Fehlschlägen. Daher mussten Anleger entsprechend risikobereit sein, wenn sie sich an einem MIG-Fonds beteiligten.

Kritik an den MIG-Fonds

Die Stimmen, die das Risiko der MIG-Fonds beschreien, sind laut. Über einen Treuhänder fließen die Anlegergelder in die Firmen – scheitert das Unternehmen jedoch am Markt und kann keine gewinnbringenden Verkäufe generieren, so droht der Verlust des gesamten Anlagekapitals. Diese Geldanlage ist demnach nur für Anleger geeignet, die sich dessen bewusst sind und risikoreiche Investitionen unterstützen möchten. Zur Altersvorsorge sind MIG-Fonds keinesfalls geeignet. Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Transparenz für Anleger.

Wie die Jahresabschlüsse einzelner Fonds in den letzten Jahren gezeigt haben, weisen einige äußerst hohe Verluste auf. Gewinnversprechungen, die im Vorfeld ausgesprochen wurden, sind in keinem der MIG-Fonds auch nur annähernd realisiert worden. Zusätzlich schmälern hohe Fondsnebenkosten (Provisionen von durchschnittlich 20 %) einen möglichen, wenn auch nicht realistischen, Gewinn.

Zwar können Anleger im Portfolio der jeweiligen MIG-Fonds die aktuellen Beteiligungen nachlesen – hier finden sich Unternehmen wie BIOCRATES Life Sciences AG, Isarna Holding GmbH, AFFiRiS AG, KONUX Inc. oder Efficient Energy GmbH – dennoch bleibt offen, warum einige Unternehmen in mehreren Fonds aufgenommen wurden. Hier wurde vor allem der Vorwurf laut, dass die MIG-Fonds Firmen erneut kapitalisierten, weil das Scheitern einiger Geschäftsmodelle als nicht hinnehmbar erschien.