13.06.2016

Lloyd Fonds AG - Schiffsfonds

Die Lloyd Fonds AG ist seit 2005 an der Börse und legt unter anderem Schiffsfonds und -beteiligungen auf. Sie bezeichnet sich selbst als eines der führenden unabhängigen Emissionshäuser in Deutschland: Mehr als 52.000 Anleger hätten in über 100 Objekte wie zum Beispiel Immobilienfonds, Schiffsfonds und Flugzeugfonds investiert. Außerdem wirbt sie damit, in der Vergangenheit bei aufgelegten geschlossenen Fonds, wie Schiffs- und Flugzeugfonds, meist deutlich über den Planungen liegende Renditen erwirtschaftet zu haben.

Schifffahrtskrise touchierte auch Lloyd Schiffsfonds

Während der Schifffahrtsboom sich 2007 noch auf seinem Höhepunkt befand, traf der Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 auch Schiffsfonds. Seit 2009 berichtet auch die Presse dauerhaft von Problemen, unterschiedliche Medien berichten von einer Insolvenz verschiedener Schiffsfonds und davon, dass Anlegern der Totalverlust drohen kann. Auch einige Fonds der Lloyd Fonds AG waren hiervon betroffen und mussten Insolvenz anmelden.

Verletzung der 105%-Klausel

Der 105%-Klausel, auch loan-to-value-Klausel genannt oder ltv-Klausel abgekürzt, liegt ein Wertverhältnis von Schiff und Kredit zugrunde, das nicht über ein bestimmtes Verhältnis steigen darf, eben den namensgebenden 105%. Durch die hohe Verschuldung, die die Anschaffung eines Schiffs mit sich bringt, wird das 105%-Verhältnis verletzt, drohen den Fonds unterschiedliche Auswirkungen. Im schlimmsten Fall kann es zur Insolvenz oder Zwangsverwaltung kommen, bei Schiffsfonds auch häufig zum Notverkauf des Schiffs. Für Anleger bedeutet das Verluste in den Ausschüttungen.

Bei den folgenden Lloyd-Schiffsfonds wurde die 105%-Klausel verletzt:

  • LF 36 MS San Antonio
  • LF 37 MS San Vicente
  • LF 39 MS San Pedro
  • LF 40 San Rafael
  • LF 58 LF-Flottenfonds VII
  • LF 65 LF-Flottenfonds VIII
  • LF 68 Lloyd Fonds Schiffsportfolio
  • LF 70 Flottenfonds X
  • LF 71 MS Lloyd Parsifal
  • LF 90 MS Bahamas
  • LF 92 MS Bermuda

Teurere Kredite dank Höhenflug des Yen

Sogenannte Fremdwährungskredite stellten bis vor wenigen Jahren noch ein gängiges Finanzierungsinstrument dar. Immobilien- und Schiffsfonds nahmen Kredite beispielsweise im japanischen Yen auf, da diese Währungen im Vergleich zum Euro und dem US-Dollar noch einen schwachen Kurs hatten.

Jedoch erstarkte der Yen nach der Finanzkrise, weshalb der Wert der Kredite anstieg, während der Wert des finanzierten Schiffs gleich blieb. Die Tilgung dieser Kredite ist deshalb deutlich teurer als kalkuliert, was viele Schiffsfonds in finanzielle Schwierigkeiten bringt und für Anleger wiederum die Ausschüttungen gefährdet.

Betroffene Lloyd-Schiffsfonds:

  • LF 30 LF-Flottenfonds I
  • LF 39 MS San Pedro
  • LF 71 MS Lloyd Parsifal

Notverkauf, Insolvenz, und Umwandlungen

Anleger des Lloyd Fonds LF 35 MT Colonian Sun standen im Jahr 2012 vor der unangenehmen Wahl zwischen Nachzahlung und Notverkauf. Beim Notverkauf eines Fonds müssen Privatanleger oft leer ausgehen, denn der Erlös des Verkaufs geht als erstes an die finanzierenden Banken. Durch die ungute Situation der Schiffsfonds und niedrigen Mieten sind diese Erlöse zu gering, um für Anleger noch etwas übrig zu lassen. Sie müssen deshalb auf einen großen Teil oder sogar die Ganzheit ihres investierten Geldes verzichten.

Kommt es nicht einmal mehr zum Notverkauf, muss häufig Insolvenz angemeldet werden. Auch hier sind die Folgen für Anleger ähnlich fatal. Die Lloyd Fonds AG startete im Jahr 2015 den Versuch, nach der Schiffsfondskrise, in der auch einige ihrer Fonds Insolvenz anmelden mussten, Fondsbeteiligungen von Anlegern stattdessen in Aktien umzuwandeln. Zwar folgte sie damit einem Trend zwischen Emissionshäusern, die Umwandlung konnte allerdings nicht in Kraft treten. Hierfür fehlte es ihr an genug Zustimmung seitens der Anleger.

Lloyd-Fonds, die von Insolvenz betroffen waren:

  • LF 48 LF-Flottenfonds IV
  • LF 50 LF-Flottenfonds V
  • LF 68 Lloyd Fonds Schiffsportfolio

Was tun als Anleger?

Anleger der Lloyd Fonds AG Schiffsbeteiligungen kannten oft nicht die Risiken der Anlage. Es mangelte meist an einer ordentlichen Aufklärung durch die Anlageberater. Schiffsfonds und Schiffsbeteiligungen der Lloyd Fonds AG sind unternehmerische Beteiligungen, weshalb ein Totalverlustrisiko besteht. Daneben bestehen weitere zahlreiche Risiken bei Schiffsfonds, über die Anleger aufzuklären sind, zum Beispiel das Zweitmarktrisiko, welches es Anlegern erheblich erschwert, in Krisensituationen ihre Anteile wieder zu veräußern.

Ist dies nicht geschehen, schulden Banken und Berater Schadensersatz aufgrund einer Falschberatung. Anleger haben damit die Möglichkeit, ohne Schaden aus den Fonds herauszukommen. Außerdem ist auch bei den Lloyd Fonds AG Schiffsfonds und -beteiligungen über Kick-Backs aufzuklären, also über Rückvergütungen, welche eine Bank oder ein Berater über die Vermittlung der Schiffsfonds und -beteiligungen erhält. Sollte auch das nicht geschehen sein, muss die Bank oder der Berater bereits deshalb Schadensersatz zahlen.

Die Rechte der durch die Krise geschädigten Anleger wurden bereits durch mehrere Urteile, teils sogar vom Bundesgerichtshof, gestärkt. Auch unsere Kanzlei berät und vertritt - teilweise gerichtlich - bereits Anleger verschiedener Schiffsfonds der Lloyd Fonds AG. Anleger können sich hinsichtlich Ihrer Rechte und Ansprüche beraten lassen. Schadensersatzansprüche aus fehlerhafter Beratung verjähren allerdings zehn Jahre nach Zeichnung der Kapitalanlage, weshalb in vielen Fällen Eile geboten ist.