Schiffsfonds / Schiffsbeteiligungen

Schiffsfonds bzw. Tonnagesteuerfonds oder auch Schiffsbeteiligungen sind in Deutschland im Segment der geschlossenen Fonds eine der beliebtesten Anlagen neben Immobilienfonds. Bei geschlossenen Schiffsfonds oder Schiffsbeteiligungen wird von Anlegern Geld eingesammelt, welches in den Bau oder den Erwerb von Schiffen investiert wird. Durch die Investition erhoffen sich die Anleger Gewinne.

Der Markt für Schiffsfonds und Schiffsbeteiligungen

Schiffsfonds und Schiffsbeteiligungen waren bis 2008 die beliebtesten Investitionsobjekte im Markt der geschlossenen Fonds. Seit den 1970er Jahren wurden von Anlegern weit über 30 Milliarden Euro in Schiffsfonds eingezahlt, mit der Hoffnung Gewinne zu machen. In den Jahren 2000 bis 2008 haben Anleger jährlich zwischen 3 bis 7 Milliarden Euro pro Jahr in Schiffsfonds und Schiffsbeteiligungen investiert. Ausschlaggebend für diese Zahlen sind steuerliche Aspekte und gute Renditeaussichten von Schiffsfonds.

 

Rechtliche Grundlagen von Schiffsbeteiligungen

Anleger beteiligen sich meist direkt oder über einen Treuhänder als Kommanditisten an einer GmbH & Co. KG und erwerben so einen Anteil am Kapital der Gesellschaft. Der Schiffsfonds selbst ist ein Unternehmen, welches mit dem Erwerb oder Bau von Schiffen Gewinn machen möchte. Das Kapital der Anleger dient dazu, die Kosten für den Betrieb des Schiffsfonds zu finanzieren. Das Geld der Anleger unterliegt damit allen Risiken, die eine selbständige Tätigkeit immer mit sich bringt.

Die Beteiligungen werden von Anbietern, auch Initiatoren oder Emissionshäuser genannt, über Anlagevermittler, Anlageberater oder Banken angeboten. Der Anleger muss zum Beitritt einen Gesellschaftsvertrag bzw. einen Treuhandvertrag unterschreiben, mit der er Kommanditist wird bzw. der Kommanditanteil von einem Treuhänder für den Anleger gehalten wird. Als Grundlage für die Information der Anleger dient ein Emissionsprospekt, in dem das gesamte Vorhaben inklusive der Risiken beschrieben ist. Die Geschäftsführung des Schiffsfonds übernimmt eine GmbH. Der Anleger selbst hat grundsätzlich keinen Einfluss auf die Geschäftsführung. Er hat jedoch gewisse Mitwirkungs- und Kontrollerechte über die Geschäftsführung.

 

Steuerliche Grundlagen von Schiffsbeteiligungen

In der Vergangenheit waren Schiffsfonds bzw. Schiffsbeteiligungen als Steuersparmodell interessant und sind es auch noch heute. Schiffsfonds erzielen Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Das Ergebnis aus diesem Gewerbebetrieb wird steuerlich auf die Anleger verteilt, die dann im Rahmen ihrer Einkommenssteuer auf Gewinne die Steuern bezahlen. Der Schiffsfonds selbst zahlt darauf hingegen keine Steuern. Anfallende Verluste können von den Anlegern abgesetzt werden. Im Jahre 1999 hat der Gesetzgeber dann in § 5a EStG die sogenannte Tonnagesteuer eingeführt. Bei der Tonnagesteuer wird nicht der tatsächliche, sondern nur ein fiktiver Gewinn des Schiffsfonds besteuert. Dieser Gewinn berechnet sich nach der Nettoraumzahl des jeweiligen Schiffes, welches vom Schiffsfonds betrieben wird. Das Wort Tonnage leitet sich aus der Bemessung von Schiffsraum in Tonnen ab. Die Tonnagesteuer bewirkt, dass dem Anleger pauschal ein Gewinn zugewiesen wird, den er dann mit seinem individuellen Steuersatz versteuern muss. Nach einer Gesetzesänderung im Jahre 2005 muss der Fonds von Anfang an auswählen, ob der nach Tonnagen versteuern will und ist daran dann 10 Jahre gebunden.

Bis 2005 war das Kombimodell beliebt. Danach konnten Gewinne und Verluste in den ersten Jahren normal versteuert werden und danach zur Tonnagesteuer übergegangen werden. Da ein Schiffsfonds zu Beginn seiner Tätigkeit meist Verluste machen wird, waren diese steuerlich absetzbar. Kommt der Schiffsfonds dann in die Gewinnzone, ist die Tonnagesteuer dann günstiger, weil meist weniger Gewinn versteuert werden muss. Dies ist nun seit 2005 nicht mehr möglich. Betroffen sind Anleger, die sich nach dem 10.11.2005 an einem Schiffsfonds beteiligt haben bzw. der Außenvertrieb des Schiffsfonds nach diesem Zeitpunkt erfolgt ist.

 

Risiken von Schiffsfonds und Schiffsbeteiligungen

Schiffsfonds bzw. Schiffsbeteiligungen können für die Anleger Chancen mit sich bringen, Gewinne durch den internationalen Schiffsmarkt zu erzielen. Da Schiffsfonds aber als Unternehmen ausgestaltet sind, bestehen auch zahlreiche Risiken der Investition, die den Anlegern bewusst sein müssen.

Herstellungsrisiko und Charterrisiko

Bei Schiffsfonds, die kein Schiff erwerben, sondern eines bauen lassen, besteht ein Herstellungsrisiko. Der Schiffsfonds lässt ein Schiff von einer Werft entwerfen und bauen. Da für den Schiffsbau erhebliche Summen an Geld notwendig sind, verlangen die Werften Anzahlungen. Sollte nun aus irgendeinem Grund die Werft insolvent werden und das Schiff nicht fertig gebaut werden können, bleibt der Schiffsfonds auf einem Großteil oder dem ganzen Schaden sitzen. Auch kann ein Schiff mangelhaft sein. Dies kann Streitigkeiten mit der Werft nach sich ziehen, die im Rahmen von Gerichtsprozessen ausgetragen werden. Hier besteht dann ein erhebliches Kostenrisiko für den Schiffsfonds. Wenn der Schiffsfonds mit einem Charterer einen Chartervertrag (chartern entspricht dem mieten) geschlossen hat und das Schiff nicht zur Verfügung gestellt werden kann, drohen hier Schadensersatzzahlungen an den Charterer. Generell besteht ein finanzielles Verlustrisiko, wenn der Schiffsfonds rückabgewickelt wird, auch wenn die Werft Geld zurückzahlt. Es entstehen Kosten, auf denen die Anleger sitzen bleiben.

Da bei einem Chartervertrag meist das Schiff von dem Schiffsfonds inklusive Ausstattung und Besetzung zur Verfügung gestellt wird, besteht das Risiko der Haftung und des technischen Ausfalls des Schiffes, was zu erheblichen Schadensersatzverpflichtungen führen kann.

Währungsrisiko

Schiffsfonds unterliegen einem Währungsrisiko. Der Schiffsmarkt bewegt sich nahezu ausschließlich im US-Dollar Bereich. Wenn nun Anleger aus Europa ihre Einlage in Euro erbringen, muss dieses Geld durch den Schiffsfonds in US-Dollar gewechselt werden. Dabei besteht ein Kursrisiko, da Geld der Anleger allein dadurch verloren gehen kann, dass sich der Dollar- und Eurokurs negativ entwickelt. Selbst wenn der Schiffsfonds selbst keine Substanz verliert, kann allein ein schlechter Währungskurs die Anleger beeinträchtigen. Hier gibt es für den Schiffsfonds die Möglichkeit Währungs-Swap-Geschäfte zu tätigen, die aber selbst auch wieder Risiken in sich bergen.

Steuerrisiko

Zwar ist nach Einführung der Tonnagesteuer die Beteiligung an einem Schiffsfonds steuerlich günstig, seit 2006 nach Abschaffung des Kombimodells kann die Tonnagesteuer auch erhebliche Nachteile für die Anleger haben. Solange der Schiffsfonds Gewinne macht, wirkt sich die Tonnagesteuer positiv aus. Macht der Schiffsfonds aber Verluste, muss der Anleger dennoch die fiktiven Gewinne versteuern ohne die Möglichkeit zu haben, die Verluste steuerlich absetzen zu können.

Grauer Kapitalmarkt

Für Schiffsfonds bestehen keine staatlichen Kontrollen. Es besteht daher für Anleger die Gefahr, dass sie in den Gesellschaftsverträgen soweit benachteiligt werden, wie dies gesetzlich zulässig ist. Anleger haben keine Möglichkeit mit dem Schiffsfonds über die Regelungen zu verhandeln, diese werden vielmehr bei der Zeichnung vorgegeben.

Zweitmarktrisiko

Schiffsfonds haben meist eine bestimmte Laufzeit, die in der Regel 10 bis 25 Jahre beträgt. Anleger die das investierte Kapital dringend benötigen, können daher die Beteiligung an dem Schiffsfonds nicht einfach kündigen, sondern müssen versuchen, die Beteiligung zu verkaufen. Eine Beteiligung an einer GmbH & Co. KG ist aber schwer zu verkaufen, insbesondere bei einer schlechten Marktlage für Schiffsfonds. Meist ist der Verkauf nur mit einem Verlust möglich. Oft kann auch überhaupt nicht verkauft werden, weil sich kein Käufer findet. Es gibt keinen garantiert funktionierenden Zweitmarkt vergleichbar mit der Börse. Anleger von Schiffsfonds unterliegen daher dem Zweitmarktrisiko.

Finanzierungsrisiko

Meist wird bei Schiffsfonds neben dem Eigenkapital der Anleger auch Fremdkapital in Form von Bankdarlehen für die Finanzierung des Baus oder des Erwerbs von Schiffen verwendet. Es bestehen daher Zins- und Darlehenskostenrisiken, die den Gewinn schmälern können. Daneben besteht die Gefahr, dass Banken Kredite nicht zur Verfügung stellen und aufkündigen, wodurch es zur Insolvenz des Schiffsfonds kommen kann.

Kriegs- und Terrorrisiken

Da Schiffe im internationalen Handel meist weltweit eingesetzt werden, bestehen für den Schiffsfonds nicht einkalkulierbare Risiken, die durch Terror und Krieg entstehen können. In den letzten Jahren sind auch immer mehr Piraten vor Afrika zur Gefahr geworden.

Weitere Risiken von Schiffsfonds

Neben diesen Risiken bestehen bei Schiffsfonds weitere zahlreiche Risiken wie Beschäftigungs- und Restwertrisiko, Rechterisiko oder Haftungsrisiken, die sich negativ auf die Entwicklung des Schiffsfonds auswirken können.

 

Handlungsmöglichkeiten für geschädigte Anleger von Schiffsfonds und Schiffsbeteiligungen

Wie soeben aufgezeigt bestehen bei Schiffsfonds bzw. Schiffsbeteiligungen erhebliche Risiken, die zu einem erheblichen oder gar zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Gerade in der Insolvenz eines Schiffsfonds besteht die Gefahr, das gesamt Geld zu verlieren. Anleger von Schiffsfonds sind von der beratenden Bank oder dem Anlageberater über diese Risiken eingehend aufzuklären. Es muss den Anlegern deutlich gemacht werden, dass mit Schiffsfonds Steuern gespart werden können, dies darf jedoch nicht in den Vordergrund aller Überlegungen gestellt werden. Vielmehr muss ein ausgewogenes Risiko-Nutzen-Verhältnis vor Augen geführt werden.

Die Schiffsbranche ist tatsächlich und rechtlich schwierig zu fassen und nach unserer Ansicht von einem durchschnittlichen Anleger nicht zu verstehen. Sogar der Schiffsfonds selbst bedient sich zur Bewältigung seines Geschäfts erfahrener Unternehmen aus der Schifffahrtsbranche. Wenn Banken und Anlageberater nun überwiegend die steuerlichen Aspekte in den Vordergrund stellen, verletzten sich unseres Erachtens ihre Beratungspflichten.

Nach der Rechtsprechung des BGH müssen Anleger anlage- und anlegergerecht aufgeklärt werden. Dabei müssen dem Anleger die Risiken einer Anlage vor Augen geführt werden. Insbesondere auf das Totalverlustrisiko und das Zweitmarktrisiko muss hingewiesen werden. Daneben muss auch bei Schiffsfonds über Kick-Backs aufgeklärt werden. In sogenannte Weichkosten (Kick-Backs, Gebühren, Provisionen etc.) fließt bei Schiffsfonds bis zu 22% des Anlegerkapitals. Dieses steht nicht zur Verfügung für die Finanzierung. Darauf muss ein Anleger eines Schiffsfonds unbedingt hingewiesen werden. Klärt ein Berater oder eine Bank nicht hinreichend auf, haftet er/sie für den entstandenen Schaden. Eine Klage kann dann Sinn machen. Der Anleger kann dadurch das gesamte einbezahlte Geld zuzüglich Zinsen für die Vergangenheit zurück erlangen und wird von allen Forderungen, die Dritte stellen, freigestellt.

Daneben kommen Ansprüche aus Prospekthaftung gegen die Prospektverantwortlichen oder Ansprüche gegen Treuhänder oder die Geschäftsführung in Betracht.

Geschädigte Anleger von Schiffsfonds sollten sich von einem im Kapitalanlagerecht tätigen Rechtsanwalt und Steuerberater beraten lassen. Meist bestehen Möglichkeiten, unbeschadet aus der Anlage herauszukommen. Dabei ist auf die Verjährung von Ansprüchen zu achten. Man sollte daher nicht zögern und eine Beratung in Anspruch nehmen.

Anbieter von Schiffsfonds und Schiffsbeteiligungen

Angeboten werden Schiffsfonds unter anderem von den folgenden Unternehmen:



Daneben gibt es zahlreiche weitere Anbieter.

Besuchen Sie auch unser speziell Schiffsbeteiligungen gewidmetes Infoportal www.schiffsfonds.eu.

 

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