AXA Immoselect Abwicklung - Schadensersatz für Anleger

Das Aus des offenen Immobilienfonds AXA Immoselect vollzog sich in mehreren Schritten. Am 17.11.2009 wurde die Anteilsrücknahme ausgesetzt, da die flüssigen Mittel des Fonds seinerzeit unter die 5 %-Schwelle gerutscht waren. Bereits im Februar 2010 wurde von der Geschäftsführung des Immobilienfonds die Schließung um weitere 9 Monate verlängert. Schlussendlich ergab sich, dass die maximal zulässige Schließungszeit von 2 Jahren ausgeschöpft werden sollte. Doch als das Ende dieser zwei Jahre näher rückte, erwies sich das Marktumfeld der offenen Immobilienfonds als sehr schwierig. Die Branche der offenen Immobilienfonds befand sich in einer schweren Krise. Verschiedene offene Immobilienfonds hatten bereits die Abwicklung angekündigt. Dem AXA Immoselect war es ebenfalls nicht mehr möglich zu öffnen, sodass der offene Immobilienfonds am 19.11.2011 aufgelöst wurde.

Seit dem November 2011 wird der AXA Immoselect abgewickelt. Das Management des offenen Immobilienfonds hat bis zum 20.10.2014 Zeit, um die Gebäude des Fonds zu veräußern. Die Erlöse aus diesen Verkäufen werden alle 6 Monate an die Anleger ausgeschüttet. Beim AXA Immoselect fiel jedoch bereits der erste dieser Zahlungstermine im April 2012 aus, da die Immobilienverkäufe nur schleppend verliefen und der Fonds selbst Liquiditätsbedarf hatte. Anleger, die nicht an der weiteren Abwicklung des AXA Immoselect teilnehmen möchten, können von einem Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht prüfen lassen, welche individuellen Ansprüche ihnen gegenüber beratenden Banken und Anlageberatern zustehen.



Was ist ein offener Immobilienfonds?

Ein offener Immobilienfonds ist eine Kapitalanlage, die das Geld der Anleger in Gebäude investiert. Aus rechtlicher Sicht ist ein der AXA Immoselect ein Wertpapier im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes. Die Objekte eines offenen Immobilienfonds werden in einem Immobilien-Sondervermögen zusammengefasst. Daher gelten offene Immobilienfonds auch als Investmentfonds und unterfallen dem Investmentgesetz (InvG). Für Investmentfonds gilt die strenge Regelung des § 66 InvG, welcher genau festlegt, welche Vermögensgegenstände ein offener Immobilienfonds erwerben darf. Der Vorteil einer Investition in offene Immobilienfonds besteht darin, dass Anleger jederzeit über ihr eingezahltes Geld verfügen können. Offene Immobilienfonds wie der AXA Immoselect ermöglichen es Anleger auch, dass diese sich bereits mit geringem Kapitaleinsatz an Immobilien beteiligen können und somit zu diesem attraktiven Markt Zugang haben.



Der am 03.06.2002 gestartete AXA Immoselect (Wertpapierkennnummer: 984645; ISIN: DE0009846451) investiert überwiegend in Büroimmobilien. Die Gebäude des offenen Immobilienfonds befinden sich in verschiedenen europäischen Ländern. Investitionsschwerpunkt ist Frankreich, gefolgt von Deutschland und den Niederlanden. Einnahmen fließen dem Fonds durch die Mietzahlungen der Immobilien zu. Die Anteile des AXA Immoselect wurden von verschiedenen Banken und freie Berater vertrieben; zum Beispiel Commerzbank, BB Bank, Postbank, AXA Bank, DAB Bank, Targo Bank, BMW Bank, Cortal Consorts sowie verschiedene Sparkassen und Volksbanken.



Häufige Fehler der Anlageberatung

Offene Immobilienfonds wurden als eine sichere, jederzeit verfügbare Kapitalanlage mit einer nicht zu verachtenden Rendite angepriesen und als „Betongold“ beworben. Sie wurden sogar mit Fest- und Tagesgeldkonten verglichen. Bei solchen Anpreisungen wurde allerdings versäumt, die Anleger über eine mögliche Aussetzung der Anteilsrücknahme zu informieren. Wie die Anleger des AXA Immoselect bereits erfahren mussten, kann bei offenen Immobilienfonds die Anteilsrücknahme ausgesetzt werden. Bis zu 2 Jahre kann ein offener Immobilienfonds eingefroren werden. Nach dieser Höchstdauer muss sich entscheiden, ob der Fonds die Anteilsrücknahme wieder aufnehmen kann oder ob der Fonds muss aufgelöst werden. Letzterer Fall realisierte sich beim AXA Immoselect und der Fonds wurde zu einem der zahlreichen Opfer der Krise der offenen Immobilienfonds, die seit 2004 zu Aussetzungen und Auflösungen führte.



Die Aussetzung der Anteilsrücknahme ist nur eines von vielen Risiken, die offenen Immobilienfonds innewohnen. So müssen Anleger beispielsweise auch über Verlustrisiken aufgeklärt werden. Darüber hinaus musste Anlegern vor der Investition in den AXA Immoselect erläutert werden, wie ein offener Immobilienfonds funktioniert. Ein stets brisante Problematik sind Vermittlungsprovisionen für Berater. Doch nicht jedes Beratungsgespräch wurde diesen und weiteren Anforderungen gerecht – Beratungsfehler sind keine Seltenheit!



Hilfe für Anleger nach der Auflösung des AXA Immoselect

Nach dem Aus des AXA Immoselect im November 2011 steht den Anlegern die bis ins Jahr 2014 andauernde Abwicklung des offenen Immobilienfonds bevor. Das Management wird die Gebäude des Fonds veräußern und die Erlöse dieser Verkäufe werden an die Anleger ausgekehrt, sofern nicht anderweitige Verpflichtungen des Fonds vorrangig bedient werden. Wie erfolgreich die Abwicklung letztendlich sein wird, lässt sich im Vorhinein nicht prognostizieren. Für viele Anleger stellt sich daher die Frage, ob sie an der Abwicklung teilnehmen müssen oder ob es Alternativen hierzu gibt. Zum einen können Anleger ihre Anteile des AXA Immoselect ungeachtet der Abwicklung weiterhin an der Börse verkaufen. Hierbei müssen sie allerdings Kursschwankungen einkalkulieren. Auch werden bei einem Börsenverkauf Gebühren fällig, die ebenfalls bedacht werden müssen.



Als Alternative kann ein Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht prüfen, wie erfolgreich Anleger des AXA Immoselect gegen die Banken oder Berater auf Schadensersatz klagen können. Wurden Anleger falsch beraten, bestehen gute Chancen, dass sie Schadensersatz fordern können und sich von ihren Anteilen an dem offenen Immobilienfonds trennen können. Es gibt bereits verschiedene Gerichtsurteile, die Anlegern offener Immobilienfonds Schadensersatz wegen Falschberatung zusprechen.



Folgende Aufklärungsmängel begründen einen Schadensersatzanspruch



1. Risiken wurden nie erwähnt, insbesondere das Risiko eines Verlusts.

2. Die Möglichkeit der Schließung wurde nicht erwähnt.

3. Die Möglichkeit der Abwicklung und Liquidation wurde nicht erwähnt.

4. Über Provisionen (Kick-Backs, Rückvergütungen) wurde nicht aufgeklärt (der bloße Hinweis auf den Ausgabeaufschlag reicht nicht!)

5. Ein Hinweis auf die Krise der offenen Immobilienfonds fehlte (insbesondere bei späten Investition nach 2008).

6. Es wurde kein Prospekt angeboten oder übergeben.



Anleger des AXA Immoselect, die das Gefühl haben, dass auch ihr Anlageberatungsgespräch Fehler aufwies, sollten sich an einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht wenden, um klären zu lassen, welche individuellen Ansprüche sie geltend machen können. Die Kanzlei Dr. Stoll & Kollegen berät und vertritt bereits zahlreiche Anleger, die in den AXA Immoselect investierten. Anleger müssen allerdings beachten, dass Ansprüche verjähren können und dann nicht mehr erfolgreich geltend gemacht werden können.





Aktuelle Entwicklungen:



AKTUELL 18.12.2012: Erste Auszahlung des AXA Immoselect seit Auflösung

Zum ersten Mal seit Oktober 2011 erhalten die Anleger des AXA Immoselect eine Ausschüttung. Am 18.12.2012 wurde 1,55 Euro je Anteil an die Anleger ausgeschüttet.



AKTUELL13.05.2012: Haspa bietet Vergleich für Anleger des AXA Immoselect an

Anleger des offenen Immobilienfonds AXA Immoselect, die ihre Anteile von der Hamburger Sparkasse (Haspa) erwarben, dürfen sich freuen. Der Kanzlei Dr. Stoll & Kollegen Rechtsanwaltsgesellschaft mbH wurde von der Haspa ein gutes Vergleichsangebot unterbreitet. Den Anlegern könnte somit ein langwieriges und teures Gerichtsverfahren erspart bleiben. Anleger des AXA Immoselect sollten daher nicht zögern, auch ihre Beteiligung an dem offenen Immobilienfonds rechtlich überprüfen zu lassen.



Für Anleger, die ihre Anteile des AXA Immoselect von anderen Banken oder Anlageberatern erwarben, bleibt nach wie vor die Möglichkeit, mögliche Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Es wurden bereits Schadensersatzklagen für Anleger des Immobilienfonds AXA Immoselect eingereicht, da immer wieder festzustellen ist, dass nicht ausreichend über Risiken wie das der (tatsächlich eingetretenen) Liquidation aufgeklärt wurde.

 

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